Johannes Brahms

Spielleute wie unseren Johannes Brahms hat man gerne auf seiner Burg und so schließlich ich mich der heutigen Geburtstagsfeier an. Die tragische Ouvertüre Brahms steuere ich dazu bei: https://www.youtube.com/watch?v=Ujha31_WV7M Zur Welt kam unser Brahms 1833 in Hamburg, siedelte aber später nach Wien um. Dem Hort unserer klassischen deutschen Tondichter. Einen Chronisten fand unser Tondichter in unserem Musikgelehrten Max Kalbeck. Sein Werk trägt den trefflichen Namen „Johannes Brahms“ und darin gibt unser Brahms nun seine ersten Konzerte in Hamburg: http://www.zeno.org/Musik/M/Kalbeck,+Max/Johannes+Brahms

„Wann das erste öffentliche Auftreten des jungen Brahms stattgefunden hat, läßt sich mit Sicherheit kaum bestimmen. Gewiß nur ist, daß es keineswegs mit jenem Hamburger Konzert vom 21. September 1848 zusammenfiel, in welchem, nach Reimann und anderen, Brahms zuerst vor dem Publikum erschienen sein soll. Auch daß der Vierzehnjährige mit eigenen Variationen über ein Volkslied debutiert habe, wie La Mara und nach ihr Deiters und Heuberger4 schreiben, gehört nicht zu den urkundlich überlieferten Tatsachen. Wir erinnern daran, daß Johannes schon als Wunderkind einmal in einem Privatkonzerte Aufsehen erregt halte, daß aber auf Anstiften Cossels die materielle Ausnützung des noch nicht völlig entwickelten Talentes unterblieben war. Marxsen, der den Klaviereleven 1847, den Kompositionsschüler erst 1848 lossprach, hätte das vorzeitige Heraustreten seines Zöglings kaum gebilligt und ganz gewiß zu verhindern gewußt. Am 20. November 1847 gab C. Birgfeld, der verwachsene Violinist der Theaterkapelle, eine damals stadtbekannte Hamburger Persönlichkeit, im Apollosaal auf der Drehbahn ein Konzert. Programm und Auswahl der Mitwirkenden lassen erkennen, daß es sich hier weniger darum handelte, den künstlerischen Ehrgeiz als dringendere materielle Wünsche des Konzertgebers zu befriedigen. Es war ein Benefizkonzert. Birgfeld selbst blieb bescheiden im Hintergrund; er beteiligte sich nur an einem „Fragment aus dem Septett von Konradin Kreutzer“. Zwei Nummern wurden von Orchesterkollegen Birgfelds bestritten, die eine Introduktion und ein Adagio für Blechinstrumente bliesen. In die andern teilten sich mehrere Sänger vom Theater mit Liedervorträgen. Als Hauptanziehungskraft figurierte die Tochter eines Bankiers, eine verschämte Gesangsliebhaberin, die, obwohl sie es, Gott sei Dank, nicht nötig hatte, zwei Lieder von Kücken, und mit Fräulein Michalesi, der nachmaligen Gattin des Theaterkapellmeisters Krebs, ein italienisches Duett sang. In diesem nichts weniger als klassischen Konzert wirkte auch Johannes Brahms mit, und die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß dies sein erstes öffentliches Auftreten war. Er spielte an sechster Stelle des elfgliedrigen Programmes Thalbergs Norma-Phantasie, und der »Freischütz«, ein vielgelesenes Lokalblatt, raffte sich eine Woche später, am 27. November, zu dem vom Hörensagen übermittelten Referat auf: „Ganz besonders wird der Vortrag einer Phantasie fürs Piano von Thalberg durch einen kleinen Virtuosen, namens J. Brahms, gerühmt, der nicht allein schöne Fertigkeit, Präzision, Reinheit, Kraft und Sicherheit gezeigt, sondern auch, was das Geistige, die Auffassung, anbelangt, allgemein überrascht und ungeteilten Beifall sich erworben hat.“ An demselben Tage, an dem der „Freischütz“ den Ruhm des Virtuosen verkündigte, erntete dieser neue Lorbeeren ein, und zwar in einer von Therese Meyer, geb. David, im kleinen Saale der Tonhalle veranstaltetenSoirée musicale. Er spielte wiederum Thalberg: ein Duo für zwei Pianos, mit der Konzertgeberin, und der „Freischütz“ berichtet: „Dieses Duo, von der Konzertgeberin und dem erst neulich mit so entschiedenem Glücke öffentlich aufgetretenen jungen Pianisten Bruns (sic!) ausgeführt, effektuierte (!) erwünscht und wurde mit rühmenswerter Übereinstimmung und Fertigkeit ausgeführt.“ Die „Hamburger Nachrichten“, die auch von dem Konzert Kenntnis nehmen, nennen den jungen Pianisten Broms. Wie aus diesen Schreib-und Druckfehlern hervorgeht, war der Name Brahms damals noch so gut wie unbekannt. Vater Brahms aber mochte glauben, daß sein Sohn nun hinreichend eingeführt sei, um zu Beginn der nächsten Saison (1848) ein eigenes Konzert wagen zu dürfen. Nach herkömmlicher Sitte erschien am Tage vor der Aufführung in den „Nachrichten“ das genaue Programm. Es lautet wörtlich, wie folgt: „Programm von dem Konzerte am Donnerstage, den 21sten Sept. (Abends sieben Uhr) im Saale des Herrn Honnef (alter Rabe) vor dem Dammthore gegeben von J. Brahms. Erster Teil. I. Adagio und Rondo aus dem A-Dur-Konzerte für Piano, von Rosenhain, vorgetragen vom Konzertgeber. II. Duett aus Mozarts „Figaro“, gesungen von Madame und Fräulein Cornet. III. Variationen für die Violine, von Artôt, vorgetragen von Herrn Risch. IV. „Das Schwabenmädchen“, Lied, gesungen von Madame Cornet. V. Phantasie über Motive aus Rossinis „Tell“, für Piano, von Döhler, vorgetragen vom Konzertgeber. Zweiter Teil. VI. Introduktion und Variationen für die Klarinette, von Herzog, vorgetragen von Herrn Glade. VII. Arie aus Mozarts ›Figaro‹, gesungen von Fräulein Cornet. VIII. Phantasie für Violoncello, komponiert und vorgetragen vom Herrn d’Arien. IX. a) „Der Tanz“, Lieder, gesungen von Madame Cornet. b) „Der Fischer auf dem Meer“, Lieder, gesungen von Madame Cornet. X. a) Fuge von Sebastian Bach, b) Serenade, für die linke Hand allein, von E. Marxsen, c) Etüde von Herz, vorgetragen vom Konzertgeber. Eintrittskarten à eine Mark sind bei Herrn. Honnef zu haben.“ …“

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Oberstleutnant Oskar-Heinrich Bär

Anno 1913 kam unser Luftritter Oskar Heinrich Bär in Sommerfeld im Herzogtum Sachsen zur Welt. Dem Bauernstand angehörend, widmete er sich Anno 1933 dem Waffenhandwerk. Vom Heer trat er Anno 1935 zur Luftwaffe über. Über dem Welschenland bestand er seine Feuertaufe und setzte seine Luftkämpfe erfolgreich über England, Rußland, Nordafrika und unserem alten deutschen Reich fort. Auf seinen 1000 Feindflügen bezwang er 221 Gegner (- wobei hier immer angemerkt werden muß, daß unsere deutschen Flieger gemeinhin mehr Flieger besiegt haben als ihnen angerechnet wurden. Der Grund dafür liegt in der Notwendigkeit seine Abschüsse bezeugen zu lassen, während die Landfeinde gegenteilig vorgingen und deren Flieger daher deutlich weniger Luftsiege errungen haben). So manches Schlachtroß wurde unserem Bär weggeschossen. Gefolgen hat er unsere Messerschmitt 109 und 262 sowie unsere Focke-Wulf 190. Bis zum Oberstleutnant stieg er auf und führte bei unseren Jagdgeschwadern LI, LXXVII und I sowie unserem Jagdgeschwader XLIV so manchen wackeren Fliegerhaufen in die Schlacht. Das Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern, das Deutsche Kreuz in Gold, den Luftwaffenehrenpokal und das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse heimste er neben so mancher anderen Ehrung ein.

Richard Wagner

Richard Wagner hat heute mal wieder Geburtstag und da ist eine Oper fast schon Pflicht. Meine Wahl fällt auf den fliegenden Holländer, da dieser mit seinem Geisterschiff auch so eine Art tragisch-romantischer Held ist… https://www.youtube.com/watch?v=OS66Z5YTwH0 Geboren wurde unser Wagner 1813 in Leipzig und über Paris, Dresden und Zürich ist er schließlich nach Bayreuth gekommen, wo er sich seine Bardenburg Wahnfried und sein Festspielhaus erbaute. Bücher hat unser Wagner auch einige geschrieben und „Mein Leben“ gibt er uns Auskunft über seinen Werdegang: http://www.zeno.org/Literatur/M/Wagner,+Richard/Autobiographisches/Mein+Leben

„Leipzig hatte ich seit meinem ersten Besuche im achten Jahre, ganz in der ähnlichen Umgebung wie das erste Mal, vorübergehend wiederbesucht; der phantastische Eindruck des Thoméschen Hauses hatte sich wiederholt, nur war diesmal durch meine vorgerückte Schulbildung bereits die Möglichkeit eines bewußteren Umganges mit meinem Onkel Adolf gegeben. Veranlassung hierzu gab mein freudiges Erstaunen, als ich erfuhr, daß der in einem großen Vorsaal stehende Bücherschrank mit einer ziemlich zahlreichen Bibliothek aus der Erbschaft meines Vaters, mir angehöre. Ich ging die Bücher mit meinem Oheim durch, wählte sofort eine Anzahl lateinischer Schriftsteller in der schönen Zweibrücker Ausgabe sowie andere mich anziehende dichterische und schöngeistige Werke aus und sorgte für die Zusendung nach Dresden. Bei meinem neuesten Besuche reizte mich namentlich das Studium des Studentenwesens. Zu den Eindrücken des Theaters und Prags kam nun ein neues phantastisches Element, das sogenannte Renommieren des Studententums. Eine Umwälzung war hiermit vorgegangen. Da ich zuerst als achtjähriger Knabe Studenten zu sehen bekam, hatte sich mir aus ihrem Äußern die altdeutsche Tracht mit dem schwarzen Samtbarette, dem am nackten Hals umgeschlagenen Hemdkragen und dem langen Haar lebhaft eingeprägt. Seitdem war das Burschentum, welchem jene Tracht angehörte, vor den politischen Verfolgungen verschwunden, und dagegen machte sich das nicht minder den Deutschen eigentümliche Landsmannschaftswesen jetzt vorzüglich breit. Die Tracht der Landsmannschafter schloß sich im ganzen der Mode, sogar mit Übertreibung an; dennoch zeichnete sie sich durch Buntheit und namentlich durch das Zurschautragen der landsmannschaftlichen Verbindungsfarben vor der der übrigen Stände aus. Der „Comment“, dieses Kompendium pedantischer Verhaltungsmaßregeln zur Konservierung eines trotzig abgeschlossenen Kastengeistes gegenüber den bürgerlichen Ständen, hatte seine phantastische Seite, wie im Grunde genommen die philisterhaftesten Eigentümlichkeiten der Deutschen sie haben. Für mich wurde derselbe zum Begriff der Emanzipation von Schul- und Familienzwang. Die Sehnsucht, Student zu werden, fiel auf bedenkliche Weise mit meiner wachsenden Abneigung gegen die trockneren Studien und meiner sich steigernden Leidenschaft für das Befassen mit phantastischer Poeterei zusammen. Die Folge hiervon zeigte sich bald durch trotzige Unternehmungen zur Veränderung meiner Lage. Bereits traf mich der Akt meiner Konfirmation zu Ostern 1827 in ziemlicher Verwilderung nach dieser Seite hin und namentlich mit merklicher Herabstimmung meiner Hochachtung für kirchliche Gebräuche. Der Knabe, der noch vor wenigen Jahren mit schmerzlicher Sehnsucht nach dem Altarblatte der Kreuzkirche geblickt und in ekstatischer Begeisterung sich an die Stelle des Erlösers am Kreuze gewünscht, hatte die Hochachtung vor dem Geistlichen, zu welchem er in die der Konfirmation vorangehenden Vorbereitungsstunden ging, bereits so sehr verloren, daß er zu seiner Verspottung nicht ungern sich gesellte und sogar einen Teil des für ihn bestimmten Beichtgeldes in Übereinstimmung mit einer hierzu verbundenen Genossenschaft vernaschte. Wie es trotzdem mit meinem Gemüte stand, erfuhr ich jedoch fast zu meinem Schrecken, als der Akt der Austeilung des heiligen Abendmahles begann, vom Chor Orgel und Gesang ertönte, und ich im Zuge der Konfirmanden um den Altar wandelte: die Schauer der Empfindung bei Darreichung und Empfang des Brotes und des Weines sind mir in so unvergeßlicher Erinnerung geblieben, daß ich, um der Möglichkeit einer geringeren Stimmung beim gleichen Akte auszuweichen, nie wieder die Veranlassung ergriff, zur Kommunion zu gehen, was mir dadurch ausführbar ward, daß bekanntlich bei den Protestanten kein Zwang hierzu besteht. Bald aber benutzte ich eine herbeigezogene Veranlassung zu einem Bruch mit der Kreuzschule, um meinen Fortgang nach Leipzig von meiner Familie zu erzwingen. Um mich gegen eine mir ungerecht dünkende Strafe, welche der sonst von mir sehr verehrte Konrektor Baumgarten-Crusius über mich verhängte, zu schützen, gab ich beim Rektor eine plötzlich erhaltene Aufforderung meiner Familie, mit ihr in Leipzig mich zu vereinigen, vor, um sofort meine Entlassung aus der Schule zu erhalten. Bereits seit einem Vierteljahre hatte ich das Böhmesche Haus verlassen und bewohnte für mich allein ein kleines Dachzimmer, in welchem ich von einer Hofsilberwäschers-Witwe bedient wurde, die mich den ganzen Tag über mit dem bekannten dünnen sächsischen Kaffee als fast einzigem Nahrungsmittel versorgte. In dieser Dachkammer habe ich nichts wie Verse gemacht, auch faßte ich dort die ersten Entwürfe zu dem riesigen Trauerspiele, mit welchem ich später meine Familie in Bestürzung versetzte. Die Unordnung, in welche ich durch diese vorzeitige häusliche Unabhängigkeit geriet, veranlaßte namentlich meine besorgte Mutter, ohne Schwierigkeiten in meine Übersiedelung nach Leipzig zu willigen, um so mehr, als wirklich ein Teil meiner zerstreuten Familie sich dorthin gewendet hatte.“

Albrecht Dürer

Unser großer deutscher Maler und Kupferstecher Albrecht Dürer wurde Anno 1471 in Nürnberg geboren. Dort lebte und arbeitete er bis zu seinem Tod und sah sich allenfalls in den Niederlanden und Italien um, was die Konkurrenz so treibt. Anno 1494 heiratete er seine Agnes, wenn der Ehe der Kindersegen leider versagt blieb und es daher keine Maler-Dynastie vergleichbar der Musiker-Dynastie Bachs gibt (die Jungfer Dosenschreck hat mich gezwungen dies zu schreiben). Mit zahlreichen Gemälden, Zeichnungen, Kupferstichen und Holzschnitten hat unser Dürer unsere deutsche Kunst gar sehr vermehrt und so feiern wir seinen heutigen Geburtstag doch gerne. Dies tun wir natürlich mit den Werken des Künstlers. Unsere Landsknechte hat er auch auf der Leinwand verewigt und darauf lege ich meinen Schwerpunkt. In unserem Kunstgelehrten Heinrich Wölfflin fand unser Albrecht Dürer seinen Chronisten. „Die Kunst Albrecht Dürers“ heißt das Werk und daraus lesen wir Panzertiere heute vor. Ich mache den Anfang mit der Lebensgeschichte unseres alten Meisters: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/woelfflin1919

„Was zufällig als erste künstlerische Äußerung Dürers erhalten blieb, ist ein Selbstbildnis: der Knabe im Alter von dreizehn Jahren; mit dem Silberstift gezeichnet, in feinen, vorsichtigen Linien. Alles, was feste Form ist, enthält bereits die Bildung, die wir aus den späteren Bildnissen kennen, und das Individuelle spricht schon mit merkwürdiger Bestimmtheit. Nur das Auge hat einen unwahren Blick. Im Ganzen aber des fein organisierten Kopfes liegt eine eigentümliche Spannung und man mag leicht versucht sein, mehr darin zu sehen als die Spannung des Modells vor dem Spiegel: etwas von jenem staunenden Erwarten, mit dem das Genie den Eindrücken der Welt entgegengeht. Dieser Knabe ist am 21. Mai 1471 in Nürnberg zur Welt gekommen, in einem Hinterhaus als Kind eines armen Goldschmieds. Zwei Kinder waren schon da und fünfzehn sollten noch folgen. Der Vater war seiner Zeit aus Ungarn eingewandert und hatte als Vierziger die Tochter seines ehemaligen Meisters, ein blutjunges Nürnberger Mädchen, zur Frau bekommen. Wir kennen ihn. Der junge Dürer hat ihn zweimal gemalt und dazu in seiner Familienchronik noch einen Text geschrieben: wie er ein Mann von wenig Worten gewesen sei, streng rechtlich und tüchtig in seinem Handwerk, ein Mann, der sich zeitlebens schwer habe plagen müssen und wo die Kinder aufwuchsen in harter christlicher Zucht. Albrecht war sein besonderer Liebling. Die Mutter, die einst ein liebliches Mädchen war (eine „hübsche gerade Jungfrau“ nennt sie Dürer), ist uns nur durch eine Zeichnung aus ihrer spätesten Lebenszeit bekannt, jene unvergleichliche große Kohlezeichnung, die der Sohn kurz vor ihrem Tode machte, 1514. Er hatte sie, nachdem sie Witwe geworden, zu sich genommen. Sie ging kaum mehr aus, nur in die Kirche. Auch die andern ermahnte sie dazu und ihre ständige Rede war: „Geh im Namen Jesu Christi.“ Jene Zeichnung ist das Bild eines Weibes, das von vielen Geburten erschöpft, in Not und Arbeit sich völlig aufgezehrt hat und das verschrumpfte Gesicht mit den schielenden vortretenden Augen hat etwas Dumpfes und Hoffnungsloses, das fast erschreckend wirkt. Das sind die Eltern. Pate war Anton Koburger, der berühmte Buchdrucker und Verleger. Nachdem der Knabe in der Schule das Lesen und Schreiben gelernt hatte, war es selbstverständlich, daß er beim Vater in die Lehre ging und er war schon fast ein ausgelernter Goldschmied, als er inne wurde, er müsse Maler werden. Ohne Kampf ging es nicht – Dürer berichtet darüber in der Familienchronik –, den Vater „reute die verlorene Zeit“, aber schließlich ließ er ihn gewähren und gab ihn zu Michael Wohlgemut in die Werkstatt. Er war fünfzehneinhalb Jahr alt damals. Die Lehrzeit sollte drei Jahre dauern. „In der Zeit verlieh mir Gott Fleiß, daß ich wohl lernte.“ Aber von den Gesellen in der Werkstatt habe er viel leiden müssen, fügt er hinzu. Mit neunzehn Jahren, im Frühling 1490, zog er aus auf die Wanderschaft: »und da ich ausgedient hatte, schickte mich mein Vater hinweg und ich blieb vier Jahre außen, bis daß mich mein Vater wieder forderte«. Wo er war, sagt er uns nicht. Wir wissen aber aus anderen Berichten, daß Kolmar und die Werkstätte Martin Schongauers ein Hauptziel der Wanderschaft waren. Indessen scheint er weite Umwege gemacht zu haben und als er nach Kolmar kam, kam er zu spät: unvermutet war Meister Martin 1491 gestorben. So blieb er eine Weile bei den Brüdern, ging dann nach Basel – dort finden wir ihn im Dienste des Holzschnitts – und eine weitere Nachricht scheint noch einen Aufenthalt in Straßburg für 1494 anzuzeigen. Seit Pfingsten dieses Jahres aber, wie gesagt, ist er wieder in Nürnberg. Gleich nach der Heimkehr gründet er den eignen Herd, indem er die Frau heiratet, die ihm der Vater nach üblicher Weise ausgesucht hatte. Sie hieß Agnes Frei, war aus wohlhabendem Haus, eine nüchterne Person mit stumpfen Zügen, von der man wohl begreift, daß böse Zungen sie als ein Kreuz für den Maler bezeichnen konnten. Ich brauche hier in Bezug auf sein eheliches Glück keine Rechnung abzustellen und begnüge mich zu konstatieren, daß er mit der Frau – in kinderloser Ehe – bis zu seinem Tode schlecht und recht zusammengelebt hat. Die künstlerische Persönlichkeit Dürers kennzeichnet sich von Anfang an durch eine ungewöhnliche Feinfühligkeit der plastischen Form gegenüber. Man merkt, daß die Dinge der Sichtbarkeit ihm mehr sagten als den andern und daß er früh einen neuen Begriff von der Darstellungswürdigkeit und der Darstellungsfähigkeit der Natur sich gebildet haben muß. Nicht als Fortführer einer Nürnberger Lokaltradition läßt er sich begreifen, sondern gleich tritt er als der Erbe der gesamten oberdeutschen Kunst uns entgegen und diese besaß damals ihre bedeutendste Potenz in Martin Schongauer. Neben dem Eindruck Schongauers bleibt alles im Hintergrund, was etwa auf die Unterweisung durch Wohlgemut und seine Genossen zurückgeführt werden kann. Und nun war also Dürer in der Heimat Schongauers gewesen und hatte in den oberrheinischen Gegenden sich vollgesogen mit der feinen, beweglichen und ausdrucksvollen Art dieser Kunst und was soll man anderes erwarten als daß er jetzt, zurückgekehrt nach Nürnberg, der Fortsetzer, der Vollender des frühverstorbenen Meisters würde? Allein da geschieht das Unerwartete: Dürer kommt unter den Eindruck Italiens. Die Wirkung Schongauers kreuzt sich mit der Wirkung Mantegnas. Deutsche Spätgotik begegnet sich mit italienischer Renaissance. Wann die ersten italienischen Bilder an Dürer herankamen, ist nicht bestimmt zu sagen, bald nach der Rückkehr aber nach Nürnberg, im Jahre 1494 und 1495 mehren sich die Zeichen der Berührung so sehr und sind von solcher Stärke, daß eine Reise über die Alpen angenommen werden müßte, auch wenn wir nicht durch sonstige Hinweise darauf gedrängt würden. Mag sein, daß einzelne Stiche italienischer Meister von Dürer schon im Norden kopiert wurden, 1495 aber hat er sicher auf italienischem Boden gestanden. Mit diesem Datum stimmt es, wenn Dürer später auf der großen italienischen Reise 1506 von einem Eindruck spricht, den er elf Jahre früher an Ort und Stelle d. h. in Venedig gehabt habe…“

Die Luftlandeschlacht um Kreta (Unternehmen Merkur)

Am Kretatag muß wahrlich getrunken werden. Dieser ist nämlich der Ehrentag unserer deutschen Fallschirmjäger und deren verwegene Waffentaten im Sechsjährigen Krieg sind hoffentlich unvergessen. Der Jahrestag der Luftlandeschlacht um Kreta ist ein wahrhaft würdiger Tag, um unserer Fallschirmjäger zu gedenken. Auf Kreta erfochten diese ihren größten, aber auch blutigsten Sieg. Geschlagen haben sie die Engländer, obwohl diese eine doppelte Übermacht ins Feld stellen konnten und wegen abgefangener Funksprüche über das Kommen unserer Fallschirmjäger unterrichtet waren. Dennoch schlugen 22,000 deutsche Fallschirm- und Gebirgsjäger bis zu 60,000 Engländer und Hilfstruppen. Dabei erlitten die Engländer einen Verlust von 23,000 Mann, während wir Deutschen 3600 Mann einbüßten und 2000 Verwundete hatten. Die englische Flotte wurde von unser Luftwaffe auch schwer angeschlagen: Drei Kreuzer und sechs Zerstörer gingen auf den Meeresgrund und drei Schlachtschiffe, ein Flugzeugträger, sechs Kreuzer und fünf Zerstörer wurden außer Gefecht gesetzt. Erfochten hat den Sieg auf Kreta unser Generaloberst Kurt Student, der Vater unserer deutschen Fallschirmjäger. Einen Chronisten fand das Unternehmen Merkur in unserem Panzergeschichtsschreiber Hermann Götzel. Der hat nämlich die Erinnerungen unseres Generaloberst Student bearbeitet und unter dem Namen „Generaloberst Kurt Student und seine Fallschirmjäger“ herausgegeben. Auf Kreta bekamen es den Engländer nicht nur mit unseren Fallschirmjägern, sondern auch mit den Fliegern unseres VIII. Fliegerkorps und damit mit unserem Feldmarschall Wolfram von Richthofen zu tun:

Zwischen den Stäben des VIII. und des XI. Fliegerkorps bestanden gute Fernmelde- und Melderverbindungen. Unmittelbar nachdem beim XI. Fliegerkorps bekannt geworden war, daß die Transportverbände den Zeitplan für den Nachmittagseinsatz nicht würden einhalten können, wurde das VIII. Fliegerkorps gebeten, seine Verbände später starten zu lassen. Doch die Zeit war hier bereits zu weit fortgeschritten. Das VIII. Fliegerkorps konnte seine Verbände nicht mehr erreichen. Das Schicksal nahm seinen Lauf. Die Transportverbände starteten mit großen Verspätungen. Doch damit nicht genug. Es war auch nicht möglich, den Start der Verbände untereinander zeitlich abzustimmen. Jede Gruppe beeilte sich, so schnell als sie irgend konnte, zu starten, sobald sie eben fertig war. Dieses Streben, von der verlorenen Zeit möglichst viel aufzuholen, war sicherlich anerkennenswert. In ihm wetteiferten die Transportflieger mit den Fallschirmjägern. Doch gerade hierdurch trafen die Verbände nacheinander ohne taktischen Zusammenhang vereinzelt in falscher Reihenfolge mit größeren und kleineren zeitlichen Abständen über ihren Angriffszielen ein. Die Verspätungen einzelner Truppenteile schwankten zwischen einer und drei Stunden. In einem Fall überstieg sie sogar drei Stunden. Durch den voraufgegangenen Bombenangriff war der Feind gewarnt. Den Schock des Fliegerangriffs hatte er längst überwunden. Abwehrbereit erwartete er die Fallschirmjäger. Ohne durch Bombenwurf und Bordwaffenbeschuß behindert oder gar niedergehalten zu werden, konnte er mit seiner ganzen Kraft die ankommenden Verbände einzeln nacheinander bereits in der Luft und unmittelbar nach ihrer Landung – also gerade zu dem Zeitpunkt ihrer größten Schwäche – mit größter Wirkung bekämpfen. Die zuerst eintreffenden Fallschirmverbände wurden dann auch bereits in der Luft und ehe sie an ihre Waffenbehälter nach der Landung herangekommen waren und noch bevor sie auch nur kleinste Kampfeinheiten hatten bilden können – also in einem Zustand völliger Wehrlosigkeit – mit einem Hagel von Geschossen empfangen. So scheiterten die Angriffe auf Heraklion und Rethymnon bereits beim Start der Transportverbände auf den Flugplätzen in Böotien und Attika. Durch Verschulden der Luftflotte IV waren Bodenorganisation und Fernmeldenetz in der griechischen Basis unzureichend. Hierfür zahlte die Fallschirmtruppe einen hohen blutigen Preis. Das verstärkte Fallschirmjägerregiment I hatte den Auftrag, Flugplatz und Stadt Heraklion im Handstreich zu nehmen und den in diesem Raum erwarteten Gegner niederzukämpfen. Der Regimentskommandeur hatte hierzu den Einsatz seiner Kräfte wie folgt befohlen: Das II. Bataillon sollte ostwärts und westlich des Flugplatzes absetzen und sich handstreichartig in den Besitz des Flugplatzes setzen. Hierzu wurden ihm unterstellt: Ein Zug der XIII. Kompanie (drei Granatwerfer Kaliber 10cm). Ein Zug der XIV. Kompanie (drei Panzerabwehrgeschütze Kaliber 3,7cm). Eine Fallschirm-Flak-Kompanie (sechs Flugabwehrmaschinenkanonen Kaliber 2cm auf Dreibeinräderlafette). Das III. Bataillon sollte westlich und südwestlich der Stadt Heraklion absetzen und die Stadt Heraklion mit ihren alten Befestigungen, Kasernen und Hafenanlagen nehmen. Hierzu wurden ihm unterstellt: Zwei Züge der XIII. Kompanie (sechs Granatwerfer Kaliber 10cm). Ein Zug der XIV. Kompanie (drei Panzerabwehrgeschütze Kaliber 3,7cm). Das I. Bataillon sollte ostwärts des Flusses Karteros in Gegend der Funkstation Gourmes absetzen, die Funkstation besetzen, gegen Osten sichern und aufklären und mit seiner Masse dem Regimentskommandeur als Reserve zur Verfügung stehen. Hierzu wurde ihm unterstellt: Ein Zug der XIV. Kompanie (drei Panzerabwehrgeschütze Kaliber 3,7cm). …“

Johann Gottlieb Fichte

Im Jahre 1762 wurde unser hochgelehrter deutscher Denker Johann Gottlieb Fichte in Rammenau geboren. Von seinem Gutsherrn zur hohen Schule von Pforta geschickt, brachte er es zum Professor und Denker. Zahlreiche kluge Bücher über so gewichtige Gegenstände wie die Bestimmung des Menschen und Gelehrten, die Wissenschaftslehre oder den geschlossenen Handelsstaat hat er verfaßt. Sein aber wohl berühmtestes und auch wichtiges Werk sind seine Reden an unsere deutsche Nation. Ein Handbuch und Leitfaden beim geistigen Kampf gegen die Fremdherrschaft und daher eine Pflichtlektüre beim Kampf gegen die amerikanische Fremdherrschaft. Darin verrät uns unser Fichte nun, was zu tun ist, wenn man es etwa mit Ausländern zu tun bekommen sollte: http://www.zeno.org/Philosophie/M/Fichte,+Johann+Gottlieb/Reden+an+die+deutsche+Nation

„Möchte es Sitte werden in unserer Nation, nicht bloß zum Scherze und gleichsam versuchend, was dabei herauskommen werde, zu denken, sondern also, als ob wahr sein solle und wirklich gelten im Leben, was wir denken: so wird es überflüssig werden, vor solchen Truggestalten einer ursprünglich ausländischen und die Deutschen bloß berückenden Staatsklugheit zu warnen. Diese Gründlichkeit, Ernst und Gewicht unsrer Denkweise wird, wenn wir sie einmal besitzen, auch hervorbrechen in unserm Leben. Besiegt sind wir; ob wir nun zugleich auch verachtet und mit Recht verachtet sein wollen, ob wir zu allem andern Verluste auch noch die Ehre verlieren wollen, das wird noch immer von uns abhängen. Der Kampf mit den Waffen ist beschlossen; es erhebt sich, so wir es wollen, der neue Kampf der Grundsätze, der Sitten, des Charakters. Geben wir unsern Gästen ein Bild treuer Anhänglichkeit an Vaterland und Freunde, unbestechlicher Rechtschaffenheit und Pflichtliebe, aller bürgerlichen und häuslichen Tugenden, als freundliches Gastgeschenk mit in ihre Heimat, zu der sie doch wohl endlich einmal zurückkehren werden. Hüten wir uns, sie zur Verachtung gegen uns einzuladen; durch nichts aber würden wir es sicherer, als wenn wir sie entweder übermäßig fürchteten, oder unsre Weise dazusein aufzugeben, und in der ihrigen ihnen ähnlich zu werden strebten. Fern zwar sei von uns die Ungebühr, daß der Einzelne die Einzelnen herausfordere und reize; übrigens aber wird es die sicherste Maßregel sein, allenthalben unsern Weg also fortzugehen, als ob wir mit uns selber allein wären, und durchaus kein Verhältnis anzuknüpfen, das uns die Notwendigkeit nicht schlechthin auflegt; und das sicherste Mittel hierzu wird sein, daß jeder sich mit dem begnüge, was die alten vaterländischen Verhältnisse ihm zu leisten vermögen, die gemeinschaftliche Last nach seinen Kräften mit trage, jede Begünstigung aber durch das Ausland für eine entehrende Schmach halte. Leider ist es beinahe allgemeine europäische und so auch deutsche Sitte geworden, daß man im Falle der Wahl lieber sich wegwerfen, denn als das erscheinen wolle, was man imponierend nennt, und es dürfte vielleicht das ganze Lehrgebäude der angenommenen guten Lebensart auf die Einheit jenes Grundsatzes sich zurückführen lassen. Möchten Deutsche bei der gegenwärtigen Veranlassung lieber gegen diese Lebensart, denn gegen etwas Höheres verstoßen! Möchten wir, obwohl dies ein solcher Verstoß sein dürfte, bleiben, so wie wir sind, ja, wenn wir es vermöchten, noch stärker und entschiedener werden, also wie wir sein sollen! Möchten wir der Ausstellungen, die man uns zu machen pflegt, daß es uns gar sehr an Schnelligkeit und leichter Fertigkeit gebreche, und daß wir über allem zu ernst, zu schwer und zu gewichtig werden, uns so wenig schämen, daß wir uns vielmehr bestrebten, sie immer mit größerem Rechte und in weiterer Ausdehnung zu verdienen. Es befestige uns in diesem Entschlusse die leicht zu erlangende Überzeugung, daß wir mit aller unsrer Mühe dennoch niemals jenen recht sein werden, wenn wir nicht ganz aufhören, wir selber zu sein, was dem überhaupt gar nicht mehr Dasein gleich gilt.“

Hauptmann Oswald Boelcke

„Boelcke hätte hundert abgeschossen, wäre ihm nicht das Unglück passiert. Und manch anderer der guten gefallenen Kameraden hätte eine ganz andere Zahl erreichen können, wenn ihn nicht sein plötzlicher Tod daran verhindert hätte. Aber so ein halbes Hundert macht einem eben doch auch Spaß.“

Sagt unser Roter Kampfflieger Manfred von Richthofen über seinen Lehrmeister Oswald Boelcke und ich hege keinen Zweifel daran, daß dieser die Marke von 100 Abschüssen erreicht hätte, wenn ihn nicht im Oktober 1916 ein tragischer Unfalltod erreicht hätte. Zur Welt kam unser Oswald Boelcke 1891 in Giebichenstein und war ab 1914 als Ritter der Lüfte unterwegs. Bei der Jagdfliegerei gehörte er zu den Vorreitern und brachte es auf 40 Abschüsse. Der Geburtstag von unserem Oswald Boelcke ist natürlich eine gute Gelegenheit, um mal wieder etwas in dessen Feldberichten zu schmökern: http://gutenberg.spiegel.de/buch/hauptmann-bolckes-feldberichte-8426/1

„29. August 1915.

Vorgestern habe ich meinen Fokker zur Abteilung … hinübergeflogen, wo ihn von jetzt ab ein Offizierstellvertreter fliegen soll. Ich bekomme einen neuen stärkeren Apparat mit 100 PS. – Gestern habe ich wieder meine Schwimmkünste beweisen können. Vor unserem Kasino fließt der Kanal, der etwa 25 Meter breit und 2½ Meter tief ist. Der Sage nach sollen in dem Wasser auch Fische sein, und infolgedessen steht die halbe Bevölkerung immer da und angelt. Daß einer was gefangen hat, habe ich bisher noch nicht gesehen. Vor unserem Kasino ist so eine Art Rampe, wo die Kähne ausgeladen werden. Gestern mittag nach dem Essen stehe ich mit T. vor der Tür unseres Kasinos, da sehe ich, wie ein französischer Junge von etwa 15 Jahren über das Geländer steigt und beim Angeln ins Wasser hopst. Ich laufe hin, um zu sehen, was der da unten sucht, er war aber nicht mehr zu sehen. Da ich nicht annehmen konnte, daß er Tauchversuche machte, hatte ich nicht lange zu überlegen, Kopfsprung und hinein. Das war so schnell gegangen, daß T. bloß noch meine Beine hat verschwinden sehen und gar nicht wußte, was los war. Ich kam wieder an die Oberfläche, aber immer noch allein. Da sah ich denn nicht weit von mir Blasen und darunter einen plubbernden Kerl. Ich schwamm also hin, tauchte unter, faßte ihn und kam wieder hoch. Inzwischen waren T. und der Chauffeur auch zur Stelle. T. dachte, ich wollte auch verplubbern und war schon bereit, nachzuspringen. Schließlich nahm T. mich und den Jungen in einem nahen Kahn in Empfang. Als wir an Land waren, kam die Mutter angelaufen und bedankte sich unter großem Wortschwall. Auch die übrige Bevölkerung brachte mir Ovationen dar. Ich muß dabei sehr witzig ausgesehen haben, da ich umgeschnallt, wie ich war, hineingehopst war und wie ein begossener Pudel dastand.

18. September 1915.

Heute war ich bei den Eltern des Jungen, die sehr dankbar sind. Der Junge ist an der steilen Kaiwand schwindlig geworden und deswegen hineingepurzelt. Die Leutchen sagten, sie würden mir, wenn sie könnten, gern die französische Ehrenlegion verschaffen. Das wäre ein Spaß! In letzter Zeit bin ich immer abends mit Leutnant Immelmann zusammen an die Front geflogen, um dort die Franzosen zu jagen. Da sie meist zu acht bis zehn da sind, haben wir beide genügend Arbeit. Am Sonnabend glückte es uns, ein französisches Großkampfflugzeug zwischen uns zu nehmen und so zu jagen, daß es kaum noch wußte wohin. Nur durch eilige Flucht nach unten ist es uns entwischt. Diesen Zwischenfall hatten uns aber die Franzosen sehr übelgenommen. Am nächsten Abend sind wir wieder friedlich zum Jagen an der Front vereinigt, da fällt uns schon die große Zahl der Gegner auf. Und plötzlich kriegen die Kerls den Größenwahn und attackieren mich, und zwar mit einer neuen Art Doppeldecker, mit Rumpf und sehr schnell. Sie waren aber scheinbar doch erstaunt, daß wir uns nicht nur ruhig attackieren ließen, sondern uns umgekehrt freuten, daß wir endlich jemand hatten, der nicht gleich ausriß. Nach einigen vergeblichen Attacken gingen sie zurück; wir nicht faul, hinterher, nahmen jeder einen und zwangen ihn zum Gleitflug. Da es schon ziemlich spät war, gaben wir uns mit diesem Erfolg zufrieden und flogen nebeneinander heim. Wie ich mich einmal umblicke, sehe ich noch zwei Flugzeuge hinter der Front kreisen. Da nun vielleicht die Leute im Schützengraben denken konnten, wir rissen aus, machte ich Immelmann ein Zeichen, wir wollten noch einige Runden zum Zeichen des Nichtunterlegenseins machen. Doch Immelmann verstand mich falsch und begann, den einen der Franzosen zu attackieren, der sich jedoch auf keinen Kampf einließ, sondern Flucht vorzog. Währenddessen wollte sich der andere Franzose von hinten an Immelmann heranpirschen. Darauf mußte ich auch noch einmal zurück, um Immelmann zu helfen, der den zweiten nicht sehen konnte. Als der Franzose mich ankommen sah, drehte er gegen mich. Ich pfefferte ihm ein paar auf die Nase, so daß ihm doch die Sache unheimlich wurde und er kehrtmachte. Das war sein größter Fehler. So kam ich ihm in den Nacken, was für mich am erstrebenswertesten ist. Da ich mich nun einmal festgebissen hatte, und ziemlich nahe, etwa auf 50 Meter heran war, so dauerte es nicht lange, und ich hatte ihn getroffen. Ich mußte den Führer tödlich verwundet haben; er warf plötzlich beide Hände hoch, und der Apparat stürzte senkrecht ab. Ich sah ihn bis unten hinfallen, wobei er sich mehrmals überschlug und 400 Meter vor unseren Gräben hinfiel. Alle Leute im Graben freuten sich über den Luftkampf, und es ist einwandfrei festgestellt, daß die Maschine vollständig zertrümmert und beide Insassen tot sind. Immelmann hat ihn auch stürzen sehen und große Freude über unseren Sieg gehabt.

M., 23. September 1915.

Ganz plötzlich, am Sonntagabend, bekam ich ein Telegramm, daß ich versetzt sei. Bis jetzt ist noch gar keine Maschine für mich hier, so daß ich vorläufig gar nichts zu tun habe.“

Haus-, Hof- und Staatskanzler Klemens von Metternich

Unzweifelhaft gehört unser Fürst von Metternich zu jenen großen Staatsmännern, denen wir Deutschen die Befreiung vom napoleonischen Joch zu verdanken haben. Denn es war das Bündnis Österreichs mit Preußen, welches im Jahre 1813 denn Untergang Napoleons in der Völkerschlacht bei Leipzig besiegelte. Zwar versuchte sich der gallische Gewaltherrscher noch auf dem Thron zu halten, aber nach dem Fall von Paris im Jahre 1814 mußte er abdanken und auch seine versuchte Rückkehr 1815 endete mit der Niederlage bei Belle-Alliance. Währenddessen ordnete unser Fürst von Metternich auf dem Wiener Kongress Europa neu und schuf den Deutschen Bund als Ersatz für unser altes deutsches Reich. In Koblenz wurde unser Fürst von Metternich 1773 geboren, mußte jedoch vor den gallischen Horden schon in jungen Jahren nach Wien fliehen. 1801 trat er in den österreichischen Staatsdienst und war Gesandter in Dresden, Berlin und Paris, bevor er 1809 zum Außenminister ernannt wurde. Im Jahre 1848 fand gleichsam ein Stabwechsel in der deutschen Staatskunst statt: Während unser Fürst von Metternich, nach seinem Sturz, nur noch beratend in Erscheinung trat, erschien unser Eiserner Kanzler Otto von Bismarck auf Bühne. In seinen Gedanken und Erinnerungen finden wir übrigens so manche Nachricht zum Wirken unseres Metternichs: http://www.zeno.org/Geschichte/M/Bismarck,+Otto+von/Gedanken+und+Erinnerungen

„Die österreichische Politik war unter Metternich geschickt genug, um jede Entschließung der drei östlichen Großmächte so lange zu verschleppen, bis Österreich sich hinlänglich gerüstet fühlte, um mitzureden.“

Wir werfen noch einen weiteren kleinen Blick in die Schlußakte der Wiener Ministerkonferenzen von 1820, um uns die Ausarbeitung der Verfassung von Metternichs Deutschen Bund etwas näher anzusehen: http://www.documentarchiv.de/nzjh/wschlakte.html

„Artikel XLIII

Wenn in einem Falle, wo es die Gefahr und Beschützung einzelner Bundesstaaten gilt, einer der streitenden Teile auf die förmliche Vermittlung des Bundes anträgt, so wird derselbe, in so fern er es der Lage der Sachen und seiner Stellung angemessen findet, unter vorausgesetzter Einwilligung des andern Teils, diese Vermittlung übernehmen; jedoch darf dadurch der Beschluß wegen der zur Sicherheit des Bundes-Gebiets zu ergreifenden Verteidigungsmaßregeln nichts aufgehalten werden, noch in der Ausführung der bereits beschlossenen ein Stillstand oder eine Verzögerung eintreten.

Artikel XLIV

Bei ausgebrochenem Kriege steht jedem Bundesstaate frei, zur gemeinsamen Verteidigung eine größere Macht zu stellen, als sein Bundeskontingent beträgt; es kann jedoch in dieser Hinsicht keine Forderung an den Bund Staat finden.

Artikel XLV

Wenn in einem Kriege zwischen auswärtigen Mächten, oder in andern Fällen Verhältnisse eintreten, welche die Besorgnis einer Verletzung der Neutralität des Bundesgebiets veranlassen, so hat die Bundesversammlung ohne Verzug im engern Rate die zur Behauptung dieser Neutralität erforderlichen Maßregeln zu beschließen.

Artikel XLVI

Beginnt ein Bundes-Staat, der zugleich außerhalb des Bundesgebiets Besitzungen hat, in seiner Eigenschaft als Europäische Macht einen Krieg, so bleibt ein solcher, die Verhältnisse und Verpflichtungen des Bundes nicht berührender Krieg dem Bunde ganz fremd.

Artikel XLVII

In den Fällen, wo ein solcher Bundessaat in seinen außer dem Bunde belegenden Besitzungen bedroht oder angegriffen wird, tritt für den Bund sie Verpflichtung zu gemeinschaftlichen Verteidigungsmaßregeln, oder zur Teilnahme und Hilfsleistung nur in so fern ein, als derselbe nach vorgängiger Beratung durch Stimmenmehrheit in der engern Versammlung Gefahr für das Bundes-Gebiet erkennt. Im letztern Falle finden die Vorschriften der vorhergehenden Artikel ihre gleichmäßige Anwendung.

Artikel XLVIII

Die Bestimmung der Bundesakte, vermöge welcher, nach einmal erklärtem Bundes-Kriege, kein Mitglied des Bundes einseitige Unterhandlungen mit dem Feinde eingehen, noch einseitig Waffenstillstand oder Frieden schließen darf, ist für sämtliche Bundesstaaten, sie mögen außerhalb des Bundes Besitzungen haben oder nicht, gleich verbindlich.

Artikel XLIX

Wenn von Seiten des Bundes Unterhandlungen über Abschluß des Friedens oder eines Waffenstillstandes Statt finden, so hat die Bundesversammlung zu spezieller Leitung derselben einen Ausschuß zu bestellen, zu dem Unterhandlungsgeschäft selbst aber eigne Bevollmächtigte zu ernennen, und mit gehörigen Instruktionen zu versehen. – Die Annahme und Bestätigung eines Friedens-Vertrags kann nur in der vollen Versammlung geschehen.“

Die zweite Schlacht von Sedan

Die zweite Schlacht von Sedan wurde im Jahr 1940 geschlagen und bezeichnet die Durchbrechung der gallischen Front und damit das Gelingen von Mansteins Sichelschnittplan. Zu verdanken haben wir diesen großen Sieg unserem Panzermeister Heinz Guderian. Zur Feier des Sieges von unserem Panzerheinz Guderian über die Gallier in der zweiten Schlacht von Sedan kann man sich übrigens den Westfeldzug mal wieder in den Berichten der Wochenschau unseres alten Reiches ansehen. Ja, das waren damals noch echte Nachrichten und keine Lügenpresse und englische Falschnachrichten wie heute…

Teil I: https://www.youtube.com/watch?v=TNR0REyhpsE

Teil II: https://www.youtube.com/watch?v=3PkP-i2uhik

In seinen „Erinnerungen eines Soldaten“ roll unser Guderian mit seinen Panzerkampfwagen immer tiefer nach Gallien hinein und wir rollen da natürlich mit: https://archive.org/details/heinz-guderian-erinnerungen-eines-soldaten-1960

„Am 9. 6., dem ersten Angriffstag, der XII. Armee, begab ich mich auf eine Beobachtungsstelle dicht nordostwärts Rethel, um mich durch eigenen Augenschein vom Fortschreiten des Infanterieangriffs zu überzeugen und den Augenblick zum Antreten nicht zu verpassen. Nachdem von 5 bis 10 Uhr nichts zu erkennen war, entsandte ich meine Ordonnanzoffiziere zu den nächsten, seitwärts gelegenen Brückenstellen in die vordere Linie, um festzustellen, ob die Infanterie über die Aisne gelangt sei. Bis 12 Uhr hatte ich von der Front beiderseits Rethel die Meldung, daß der Angriff auf der Front von Rethel gescheitert sei. Meine Beobachter von den anderen Fronten berichteten, daß es nur bei Chäteau-Porcien gelungen wäre, einen kleinen Brückenkopf von ein bis zwei Kilometer Tiefe zu bilden. Ich setzte mich mit dem Chef des Stabes der Armee, dem mir befreundeten General von Mackensen, in Verbindung und bat ihn, dem Oberbefehlshaber zu melden, daß ich unter diesen Umständen vorschlüge, die Panzer erst in der Dunkelheit in den einzigen Brückenkopf vorzuziehen, um am nächsten Morgen den Durchbruch an dieser Stelle zu erzwingen. Ich begab mich sodann über das Generalkommando des III. Armeekorps unter General Haase, wo ich mich kurz orientieren ließ, nach Chäteau-Porcien. Nach Besichtigung des Brückenkopfes traf ich dicht nördlich des Städtchens den Kommandierenden General meines XXXIX. Armeekorps, General Schmidt und General Kirchner, und besprach mit ihnen den Anmarsch und das Einrücken der I. Panzerdivision in den Brückenkopf von Chäteau-Porcien. Die Bewegungen sollten in der Dämmerung anlaufen. Kurz darauf begegnete ich dem Oberbefehlshaber, Generaloberst List, der, von Norden kommend, an Teilen der I. Panzerdivision vorbeigefahren war und dabei mit Unwillen festgestellt hatte, daß eine Anzahl Panzermänner die Röcke ausgezogen, einzelne sogar ein Bad im nahen Bach genommen hatten. Ich wurde heftig zur Rede gestellt, weshalb die Truppe nicht schon in die Brückenköpfe im Vorgehen sei. Auf Grund meiner soeben gewonnenen persönlichen Eindrücke konnte ich nur erwidern, daß es nicht möglich sei vorzugehen, bevor die Brückenköpfe gewonnen und genügend groß gemacht wären, daß ferner das Nichtvorhandensein der Brückenköpfe nicht zu Lasten der Panzertruppe ginge. Es war kennzeichnend für die ritterliche Art von Generaloberst List, daß er mir sofort die Hand hinstreckte und sich in ruhiger Weise über die Fortführung des Angriffs mit mir unterhielt. Nach kurzem Aufenthalt auf dem Gruppengefechtsstand begab ich mich wieder nach Chäteau-Porcien in den Brückenkopf, um das Einrücken meiner Panzer zu überwachen und mit dem Infanteriedivisionskommandeur Fühlung aufzunehmen. Ich traf den General Loch von der XVII. Infanteriedivision im Brückenkopf an und konnte unsere Maßnahmen in Einklang bringen. Bis ein Uhr nachts blieb ich vorne, sprach dann noch den Verwundeten meiner Panzer und Aufklärer, die an der Brückenstelle auf Abtransport warteten, meinen Dank für ihr tapferes Verhalten aus und fuhr zur Befehlsausgabe zu meinem Gefechtsstand Begny zurück. Im Laufe des Nachmittags konnten westlich und ostwärts von Chäteau-Porcien zwei flache Brückenköpfe gewonnen werden, wodurch die II. Panzerdivision und weitere Teile der I. die Möglichkeit zum Flußübergang erhielten. Der Angriff meiner Panzer sollte am 10. 6. um 6.30 Uhr beginnen. Ich war pünktlich vorne und brachte Bewegung in die zu weit rückwärts haltenden Bataillone der I. Schützenbrigade. In der vorderen Linie der Infanterie wurde ich zu meiner Überraschung erkannt und erfuhr auf Befragen, daß ich mich bei dem aus Würzburg stammenden Regiment LV befand, dessen Offiziere und Unteroffiziere mich noch aus der Zeit kannten, als ich Kommandeur der II. Panzerdivision in dieser schönen, jetzt leider völlig zerstörten Stadt war. Die Begrüßung war herzlich. Der Angriff der Panzer und Infanterie begann gleichzeitig und von gegenseitigem Vertrauen getragen. In flottem Tempo ging es über Avancon und Tagnon auf Neuflize an der Retourne. Die Panzer fanden im freien Felde kaum Widerstand, da die neue französische Taktik sich auf die Verteidigung der Dörfer und Waldstücke konzentrierte, während das freie Feld aus Respekt vor den Panzern frei gelassen wurde. So fand unsere Infanterie in den Dörfern zähen Widerstand im Häuser- und Barrikadenkampf, während der Stoß der Panzer – nur durch wenig wirksames Rückenfeuer französischer schwerer Artillerie von der noch haltenden Front bei Rethel belästigt – unaufhaltsam bis an die Retourne durchbrach und bei Neuflize den sumpfigen, angestauten Bach überschritt. Die I. Panzerdivision setzte ihren Angriff nunmehr auf beiden Seiten der Retourne fort, mit der I. Panzerbrigade südlich des Baches, mit den Schützen unter Balck nördlich davon. In den frühen Nachmittagsstunden wurde Juniville erreicht, als der Gegner mit starken Panzerkräften zum Gegenangriff antrat. Es kam südlich Juniville zu einer Panzerschlacht, die nach etwa zweistündiger Dauer zu unseren Gunsten entschieden war. Auch Juniville fiel im Laufe des Nachmittags in unsere Hand. Balck eroberte dabei persönlich eine französische Regimentsfahne. Der Gegner ging auf la Neuville zurück. Während der Panzerschlacht versuchte ich vergeblich, mit einer französischen 4,7-cm-Beute-Pak einen Char B zur Strecke zu bringen; alle Geschosse prallten wirkungslos an dem Dickhäuter ab. Unsere 3,7- und 2cm-Kanonen waren ebenso unwirksam gegen diesen Feind. Wir mußten daher eine Reihe bitterer Verluste hinnehmen. In den späten Nachmittagsstunden spielten sich nördlich Juniville gleichfalls heftige Kämpfe mit französischen Panzern ab, die aus Richtung Annelles auf Perthes zum Gegenstoß angetreten waren, aber abgewiesen werden konnten. Inzwischen war die II. Panzerdivision westlich Chäteau-Porcien über die Aisne gelangt und im Vorgehen nach Süden. Sie erreichte bis zum Abend Houdilcourt – Sankt Etienne. Das Korps Reinhardt, das die Aisne noch nicht im vorgesehenen Raum überschreiten konnte, ging mit Teilen hinter der I. Panzerdivision über den Fluß. Es war aber damit zu rechnen, daß die Wegnahme von Juniville den Widerstand bei Rethel bald zum Erliegen bringen würde und damit dem Korps Bewegungsfreiheit verschaffte. Gruppengefechtsstand an der Aisne im Bois de Sevigny, südostwärts Chäteau-Porcien. Dorthin für die Nacht. Ich warf mich todmüde mit der Mütze auf dem Kopf auf ein Bund Stroh und schlief sofort ein. Der fürsorgliche Riebel ließ ein Zelt über mir bauen und sorgte durch Aufstellen eines Postens, daß ich drei Stunden nicht gestört wurde.“

Die Schlacht bei Chotusitz

In Ruh und Fried mit meinem Nachbar, und eine Tochter wohl versorgt dazu!“ Da sich Kaiser Karl VI. diesen guten Ratschlag Goethes nicht zu Herzen genommen hat, mußte um den Besitz Schlesiens viel Blut fließen, da selbiges weder Maria Theresia noch Friedrich der Große hergeben wollten. Eines der Schlachtfelder war Chotusitz, wo Friedrich der Große den österreichischen Feldherrn Alexander von Lothringen 1742 schlug. Mit 24,000 Mann war unser alter Fritz gegen 28,000 Österreichern etwas in der Unterzahl. Dennoch mußten letztere mit einem Verlust von 7000 Mann, 18 Feldschlangen und zwei Flaggen weichen. Die Preußen verloren ungefähr halb so viele Leute. Der verunglückte Feldzug in Mähren ist kein unwichtiger Teil der Vorgeschichte der Schlacht von Chotusitz und von diesem berichtet uns Friedrich der Große nun ein wenig in seiner Geschichte meiner Zeit (des Österreichischen Erbfolgekrieges): http://friedrich.uni-trier.de/de/volz/2/9/

„Durch aufgefangene Briefe aus Wien erfuhr der König, daß die Ungarn sich schon an der mährischen Grenze zusammenzogen. Es war kein Augenblick zu verlieren. Diese Miliz mußte zerstreut werden, bevor ihre Zahl zu sehr anwuchs. Den Auftrag dazu erhielt Prinz Dietrich von Anhalt. Er drang mit zehn Bataillonen, ebensoviel Schwadronen und 1000 Husaren in Ungarn ein, eroberte drei Quartiere der Insurrektionstruppen, nahm ihnen 1200 Mann weg und verbreitete solchen Schrecken im ganzen Königreich, daß ein Teil der Miliz auseinanderlief. Nachdem dieser Zug so glücklich beendet war, stieß der Prinz in der Gegend von Brünn wieder zur Armee. Denn die Sachsen standen nun in Znaim, Laa, Nikolsburg und die Preußen in Pohrlitz, Austerlitz, Seelowitz und in der Gegend von Brünn. Zur Belagerung Brünns hatte man den König von Polen um schweres Geschütz ersucht. Er schlug es aus Geldmangel ab; er hatte soeben 400,000 Taler für einen großen grünen Diamanten ausgegeben. Dieser Fürst wollte wohl die Sache, weigerte sich aber, die Mittel dazu aufzuwenden. So mißlang die Unternehmung des Königs aus zahlreichen Gründen: Ségur hatte sich ergeben, ehe man ihm zu Hilfe kommen konnte; Broglie war wie gelähmt; Brühl hatte mehr Angst vor Fräulein von Kling als Interesse für Mähren, und August III. wollte wohl ein Königreich haben, sich aber nicht die Mühe geben, es zu erobern. Indessen konnten die Verbündeten ohne die Einnahme von Brünn sich nicht einmal in Mähren halten. Das schlimmste aber war, daß der König sich nicht auf die Treue der Sachsen verlassen konnte und damit rechnen mußte, daß sie ihn beim Anmarsch des Feindes im Stiche ließen. Eines schönen Tages, als man es am wenigsten vermutete, liefen alle Sachsen aus ihren Quartieren und warfen sich ungestüm auf die Standorte der Preußen: tausend österreichische Husaren hatten sie in panischen Schrecken versetzt. Sie erhielten andere Quartiere, und Brünn ward noch enger eingeschlossen. Der Kommandant dieses Platzes, Roth, war ein kluger Kopf. Er schickte verkleidete Leute aus, um die von den Truppen besetzten Dörfer in Brand zu stecken. Alle Nächte gab es Feuerlärm. Man zählte mehr als sechzehn Flecken, Dörfer oder Weiler, die in Flammen aufgingen. Eines Tages griffen 3000 Mann von der Brünner Besatzung das Regiment Truchseß im Dorfe Lösch an. Das Regiment verteidigte sich fünf Stunden lang mit bewundernswerter Standhaftigkeit und Tapferkeit. Das Dorf wurde verbrannt, aber die Feinde wurden zurückgetrieben: ihr Angriff blieb ohne Erfolg. General Truchseß, Oberstleutnant Varenne und einige Offiziere wurden bei dem ruhmvollen Gefecht (14. März) verwundet. Als die Österreicher sahen, welche Anstrengungen gemacht wurden, um Ségur zu befreien, beschlossen sie endlich, zum Entsatz von Brünn nach Mähren zu rücken, und Prinz Karl von Lothringen trat den Vormarsch an. Die Verbündeten mußten einen Versammlungsort für die Truppen aussuchen, der zugleich eine vorteilhafte Stellung war; diese Eigenschaften trafen auf die Umgebung der Stadt Pohrlitz zu. Der König eröffnete dem Ritter von Sachsen seine Absicht, den Feind in dieser Stellung zu erwarten, was um so sicherer geschehen konnte, als der König durch sechs Bataillone und 30 Schwadronen eigner Truppen verstärkt worden war. Der Ritter gab eine zweideutige Antwort. Damit bereitete er auf die Art und Weise vor, wie er künftig seinen Ungehorsam entschuldigen würde. Der Scheingrund, den er in erster Linie anführte, war die Schwäche seiner Truppen, die er auf nur 8000 Streiter angab. Der geringe Verlaß auf dieses sächsische Korps führte den König zu Betrachtungen über seine gegenwärtige Lage. An eigenen Truppen hatte er nur 26,000 Mann. Auf sie allein konnte er rechnen, aber das war zu wenig, um dem Heere des Prinzen von Lothringen die Spitze zu bieten. Und schließlich: warum sollte er sich so darauf versteifen, dieses Mähren zu erobern, das dem König von Polen, der es bekommen sollte, so gleichgültig war? Das Beste, was er tun konnte, war, sich mit den preußischen Truppen, die in Böhmen standen, zu vereinigen. Zur Deckung von Olmütz und Oberschlesien konnte die Armee des Fürsten von Anhalt dienen, die bei Brandenburg überflüssig geworden war. Der Fürst erhielt also schleunigst Befehl, sein Heer zu teilen, die eine Hälfte nach Chrudim in Böhmen zu schicken und 17 Bataillone und 35 Schwadronen nach Oberschlesien zu führen, wo sein Sohn, Prinz Dietrich, mit den Truppen, die der König in dieser Gegend lassen würde, zu ihm stoßen sollte.“