Kaiser Karl V.

Unserem alten Kaiser Karl V. sei zum Geburtstag alles Gute gewünscht, damit er auch zukünftig den Welschen, Türken, Ketzern und was da noch so alles an Widersachern keucht und fleucht zu trotzen vermag. Anno 1500 wurde er im flandrischen Gent geboren. Seine Eltern waren Philipp der Schöne und Johanna die Wahnsinnige, die Tochter Ferdinands von Aragons und Isabella der Katholischen von Kastilien. Er folgte seinem Großvater Ferdinand Anno 1516 auf den Spanischen Thron nach und wurde Anno 1519 – nach dem Heimgang seines Großvaters Maximilians – von den Kurfürsten zum deutschen Kaiser gewählt. Er sah sich dem Doppelangriff der Welschen und Türken gegenüber. Anno 1525 schlug sein Feldhauptmann Georg von Frundsberg den Welschen bei Pavia mächtig aufs Haupt und nahm deren König Franz gefangen. Unsere künftige deutsche Hauptstadt Wien wurde Anno 1529 von den Türken mit 150,000 Kriegsknechten belagert und von unserem Pfalzgrafen Philipp dem Streitbaren mit kaum 17,000 Recken verteidigt. Die Gegenangriffe unseres Kaisers Karl in Ungarn und im Westen erzielten leider keine durchschlagende Wirkung – Georg von Frundsberg fand leider keinen würdigen Nachfolger… Im Inneren hatte er ein Herz für uns arme Rittersleute und dämpfte den Übermut der Kaufleute. Anno 1520 bekam er es auf dem Wormser Reichstag mit Martin Luther und der Reformation zu tun. Erklärte aber, daß es nicht sein könne, daß man sich tausend Jahre lang geirrt hätte und daher der Mönch falsch liegen müsse. Der Bauernkrieg wurde ohne sein Eingreifen von den Fürsten niedergeworfen. Die protestantischen Fürsten bildeten gegen ihn den Schmalkaldischen Bund, wurden aber Anno 1547 von unserem Kaiser Karl bei Mühlberg geschlagen. Auf dem Geharnischten Reichstag zu Augsburg Anno 1547 diktierte er den Reichsständen seinen Willen, jedoch kam es Anno 1552 zum allgemeinen Aufstand gegen ihn. Die Folge war der Augsburger Religionsfrieden Anno 1555. Seine Doppelaufgabe als König von Spanien und deutscher Kaiser führte dazu, daß er den Notwendigkeiten beider Reiche nicht immer gerecht wurde. Er danke Anno 1556 ab und teilte sein Reich: Spanien übertrug er seinem Sohn Philipp II., während sein Brüder Ferdinand ihm als deutscher Kaiser nachfolgte. Eine verständliche Entscheidung, aber eine Fortsetzung der deutsch-spanischen Personalunion hätte den Welschen und Türken den Spaß noch mehr verdorben. So schwer lastete der Bund beider Reiche auf den Welschen, daß sie noch Anno 1870 mit Kaiser Wilhelm dem Großen Streit vom Zaun brachen, weil sich ein Hohenzoller um den spanischen Thron bewarb. Geheiratet hat unser Kaiser Karl Anno 1526 Isabella von Portugal, mit der er fünf Kinder hatte. Mit Johanna von Gheenst zeugte er zudem die natürliche Tochter Margarethe, die später Statthalterin der Niederlande wurde. Mit der Regensburgerin Barbara Blomberg hatte er den Sohn Johann von Österreich, der die spanisch-venezianische Flotte bei Lepanto Anno 1571 zum Sieg führte. Einen Chronisten fand unser Kaiser Karl in unserem Hannusch. In seinem Büchlein „Kaiser Karl V., seine Zeit und seine Zeitgenossen“ beginne ich mit der Jugend unseres Habsburgers: https://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10016005_00001.html

„Sors cecidit super Matthiam!“ rief Königin Isabella, als sie die frohe Kunde von des Infanten Carlos Geburt empfing. Es war am Aposteltag, der 24ste Februar des Schaltjahres: Ein Tausend fünfhundert. Österreichs und Spaniens Hoffnungen waren erfüllt. Sie ruhten auf König Philipps Haus. Bange Erwartungen waren beseitigt. Die Freudenfeste in Spanien, Deutschland und den Niederlanden überboten sich an Pracht. Der Erstgeborne erhielt den Namen Karls, des „Kühnen“, seines Urgroßvaters. Doch sollte der Prinz deutsche Lehrer haben. Bald war er aller ritterlichen Übungen, und schon im sechzehnten Jahre – sechs verschiedener Sprachen Meister. Eifrig – mathematischen Wissenschaften obliegend; in Natur- und Erdkunde, und was zur Seefahrt gehört, erfahren: glich er – in vieler Hinsicht dem Großvater Max. Mit Vorliebe war er der Geschichte zugetan; Thukydides – sein Liebling. Die „Bücher der Richter, Helden und Könige“ im „alten Testament“, mit ihren stolzen Kriegstaten, reich an Treue und Todesverachtung, sprachen den Jüngling vorzugsweise an. Den Prinzen an die Geschäfte zu gewöhnen: ward er angehalten, alle des Nachts einlaufende Briefschaften also gleich zu öffnen, durchzulesen, und seine Meinung – kurz und klar – am Rande beizufügen. Im Ganzen – mit etwas unduldsamer Strenge behandelt, erhielt des Jünglings edles Wesen eine ihm unnatürliche Verschattung von tiefem, abschreckendem Ernst; etwas abstechend von der heiteren, zwanglosen, mutwilligen Art seiner Niederländer. Als König Philipp starb, und Königin Johanna, von unheilbarem Wahnsinn ergriffen, die Vormundschaft der Söhne – Kastilien anheimstellte: wiesen die Granden – Isabellens Gatten zurück, und wandten sich dem deutschen Großvater zu. Drohenden Mißhelligkeiten begegnete ein eiserner Charakter: der Kardinal-Erzbischof von Toledo, aus dem Orden der Brüder Sankt Franziskus; ein asketischer, gewaltiger Geist. Aus seiner Erscheinung sprach die hohe Seele, aus seinem Blick das Feuer der Kraft. Licht und Macht war in Rede und Haltung. Bei dem Sturm auf Oran und Tripolis – focht er selbst, in Harnisch und Helm, Allen voran, an den gefährlichsten Stellen. Unmittelbar vor ihm – trug ein riesiger Franziskaner das dreifache Kreuz. Ferdinand der „Katholische“ hatte dem Prinzen Karl in seinem „letzten Willen“ den jüngeren Enkel: Ferdinand – vorgezogen. Aber – Ximenes wollte Spanien, Burgund und die Kaiserkrone in einer Hand. Der sterbende König wich der erschütternden Beredsamkeit des Willenskräftigen und änderte seinen Vorsatz. Dem aufständischen Adel, der – mit Ungestüm – seine Vollmacht zu sehen verlangte, wies der Reichsverweser, schweigend, mit feuersprühenden Augen, vom Balkon des Pallastes hinab – ernst die unten stehenden bewaffneten Bürger, und – als, den Eindruck zu vollenden, zu gleicher Zeit, auf ein gegebenes Zeichen – das Geschütz von den Wällen donnerte, fügte er die Worte hinzu: „So spricht Mein Herr, der König, durch Mich – zu Euch.“ Als der junge König den spanischen Boden betrat: hatte der Kardinal die Granden gegen sich. Er sollte seinen geliebten Herrn nicht schauen von Angesicht. Ein Brief – voll Achtung und Kälte, war Alles, was er – zum Dank erhielt. Es brach sein Herz. Wenige Stunden darauf starb er, ein und achtzig Jahre alt. Hundert Jahre darauf drang Spanien auf seine Seligsprechung. – Den großen Kapitän Gonsalvo von Cordova; Christoph Colomb, dessen Ketten bei seinem Grabmal hangen, und Herzog Alba – traf ein gleiches Schicksal. In dem feurigen Jüngling regte sich das heiße Blut Burgunds. Als man ihm hinterbrachte: „Frankreich habe ihn um seine angelobte Braut gebracht“, warf er nur hin: „Gut! wenn mich kein Band an Frankreich bindet: so kann ich’s recht nach Herzenslust bekriegen!“ und als man ihm erzählte: „König Franz habe, – nach der Schlacht bei Marignano – die Nacht auf einem Feuerrohr geschlafen“: wünschte er: „nur ja recht bald ein gleiches Lager zu gewinnen!“ …“

Georg Friedrich Händel

Den Geburtstag von Georg Friedrich Händel feiern wir heute (nach dem Julianischen Kalender). Unser großer Tondichter wurde im Jahre 1685 in Halle an der Saale geboren und unsere deutsche Tonkunst verdankt ihm zahlreiche Meisterwerke. Die wir nun ein wenig vom Staub befreien wollen. Eigentlich wollte ich mir ja Händels Oper über unseren alten Kaiser Otto II. schnappen: https://www.youtube.com/watch?v=bXM0zBeaFzg In unserem Musikgelehrten Armin Stein hat unser Tondichter einen Chronisten gefunden und so haben wir Panzertiere etwas zum Vorlesen. „Georg Friedrich Händel – ein Künstlerleben“ heißt das Buch und darin geht es nun mit der Jugend unseres Händels weiter:

„Die Base tröstete an dem Kleinen herum und nahm ihn mit nach der Laube in der Hoffnung, daß der Vater auch das Seine tun würde, den am ganzen Leibe zitternden Knaben zu beruhigen. Doch der hatte eine gestrenge Miene aufgesetzt. Es war ihm in hohem Grade unangenehm, daß sein Sohn als Tunichtgut an einem öffentlichen Ort gezüchtigt worden war, und er fuhr barsch auf den Knaben drein: „Setz dich her und bleib bei uns! Geschiehet dir ganz recht, du Wildfang!“ „Nicht also, Herr Händel!“ fiel einer der Anwesenden, der Schulmeister Kilian Goldschmidt ein, der in der Vorschule des lutherischen Gymnasiums die unterste Klasse inne hatte. „Ich habe den Kindern zugeschaut, und sie haben nichts getan, das solcher Unbill wert sei, am allerwenigsten Euer Friedrich. An dem Unglück mit den Blumen aber ist er vollends ganz unschuldig, wenn’s überhaupt ein Unglück ist. Begreife den Wirt nicht – aber er ist ja bekannt als ein Grobian. – Friedrich, mein Söhnchen, geh nur wieder hinaus und such dir meinen Leopold auf, der soll dir auf der Wiese ein Sträußlein von Schlüsselblumen pflücken.“ Zögernd gehorchte der Knabe, und als er hinweg war, fuhr der Schulmeister fort: „Habe schon längst einmal zu Euch kommen wollen, werter Herr Händel, und über Euren Friedrich mit Euch reden. Ich habe ihn nun seit Ostern in der Schule – o Herr Händel, was seid Ihr ein bevorzugter Vater! Solch ein Sohn wird einmal Eurem Namen Ehre machen. Ich bin voller Staunen über die Leichtigkeit, mit der das Kind begreift. Er ist der Jüngste in der Klasse, nicht viel über fünf Jahre, aber die andern kommen nicht hinter ihm drein. Und dazu, was für ein freundliches, herziges Wesen hat das Kind! Wenn es einen so ansieht mit seinen großen, klaren Augen, das Herz geht einem auf, und man möchte den lieben Jungen auf der Stelle küssen. Gott behüte ihn!“ Der alte Händel lächelte glücklich zufrieden bei solchen Worten des Schulmeisters und drückte demselben warm die Hand. Auch die Frau Dorothea dankte ihm mit einem tiefinnigen Blick, während Base Anna die Laube verließ, um nach dem Friedrich zu sehen. Sie mußte lange suchen, bis sie ihn endlich in einem kleinen Buschwerk fand. Da saß der Knabe im Gras und weinte noch immer vor sich hin. Die Ungebühr des Wirtes hatte ihn tiefer ergriffen, als man von einem fünfjährigen Knaben hätte erwarten sollen. Sein Stolz bäumte sich in ihm auf bei der Rückerinnerung an die unverdiente Schmach, die ihm vor aller Welt widerfahren war. „Aber mein guter Junge, greinest du noch immer?“ redete die Base ihn an, indem sie sich zu ihm ins Gras niederließ. „Vergiß doch, was geschehen ist, und wenn dir im Leben nichts Schlimmeres geschieht, dann danke deinem Gott.“ Nachdem sie ihm mit dem Sacktuch das Gesicht getrocknet, fuhr sie fort: „Ich habe, was dich trösten mag, mein Friedelchen! Du solltest es eigentlich erst nächsten Sonntag bekommen, aber nun will ich nicht länger zögern und es dir schon morgen geben.“ Der Knabe fuhr wie von einem elektrischen Schlag getroffen empor. „Du hast das Klavichord? Du hast’s wirklich? Ach, du bist meine liebe Base! Siehe, ich habe dich gerade so lieb wie mein Mütterlein!“ Damit fiel er der Jungfer stürmisch um den Hals und herzte sie. „Ja, ja, du lieber Junge“, fuhr die Base fort, „endlich Hab ich’s bekommen, was ich dir schon lange versprochen. Es hat Not genug gemacht, denn der Herr Sekretarius konnte sich nimmer und nimmer entschließen, es zu veräußern.“ …“

Die Schlacht bei Pavia

Unser alter Ritter und Recke Georg von Frundsberg hat heute (Anno 1525) bei Pavia zugeschlagen und die Gallier böse erwischt. Will heißen deren Heer weitgehend aufgerieben und ihren König Franz gefangengenommen. Tja, mit dem Vater der Landsknechte ist eben bei einer Feldschlacht nicht gut Kirschen essen. Der Sieg bei Pavia kann sich wirklich sehen lassen: Mit 23,000 spanischen und deutschen Recken trat unser Frundsberg gegen 26,000 Gallier und Hilfstruppen an. Nach zwei Tagen Kampf waren 12,000 Gallier tot und 9000 entweder gefangen oder verwundet. Die Verluste des kaiserlichen Heeres dagegen beliefen sich auf 5000 Gefallene und 5000 Verwundete. Den genauen Hergang der Schlacht lesen wir – zur Feier des Tages – nun in Delbrücks Geschichte der Kriegskunst nach: http://www.zeno.org/Geschichte/M/Delbrück,+Hans/Geschichte+der+Kriegskunst/4.+Teil.+Die+Neuzeit/1.+Buch.+Das+Kriegswesen+der+Renaissance/5.+Kapitel.+Einzelne+Schlachten/Die+Schlacht+bei+Pavia

„Trotz der Niederlage von Bicocca setzten die Franzosen den Kampf um die Vorherrschaft in Italien fort. Es folgen zwei Feldzüge, die höchst bewegt, doch ohne Schlacht verlaufen und damit enden, daß das kaiserliche Heer, daß bis Marseille vorgedrungen, sich beinah auflöst, während König Franz wieder die Alpen überstiegen hat, Mailand einnimmt (mit Ausnahme der Zitadelle) und Pavia belagert. Die Stadt war von Spaniern und Landsknechten verteidigt, die die Stürme der Franzosen abschlugen, so daß der König sich schließlich auf Einschließung zum Zwecke der Aushungerung beschränkte. Mittlerweile kamen neu geworbene Landsknechthaufen unter Frundsberg und Marx Sittich von Embs über die Alpen und rückten mit den Spaniern unter Pescara vereinigt von Osten her zum Entsatze der Stadt heran. Die Franzosen aber, die die Stadt bereits über zwei Monate (seit dem 24. November) belagerten, hatten die Zeit benutzt, ihr Lager nach außen hin zu befestigen, daß es unangreifbar schien. Pescara rückte mit seinen Verschanzungen so nahe an das feindliche Lager heran, daß die Schützen sich an manchen Stellen auf nicht mehr als 40 Klafter gegenüberstanden, aber der König hielt seine Stellung für so fest, daß er jede positive Gegenmaßnahme gegen das Entsatzheer für überflüssig hielt. Er zog die Kasse seiner Truppen auf die Ostseite, wo das Entsatzheer ihn bedrohte, und glaubte nun, durch bloße Ausdauer siegen zu können. Er hatte um so mehr Aussicht, daß ihm das gelingen würde, als im kaiserlichen Heer völliger Geldmangel herrschte und die Landsknechte drohten, nach Hause zu ziehen, wenn man sie nicht endlich bezahle. Einzelne Scharen begannen wirklich bereits den Rückmarsch. Man verpflichtete die Knechte endlich, nach einige Tage auszuharren, gegen das Versprechen, es zur Schlacht bringen zu wollen. „Gott gebe mir 100 Jahre Krieg und nicht einen Schlachttag“, sagte Pescara, „aber jetzt ist kein anderer Ausweg.“ In der Front war das Belagerungsheer nach außen wie nach innen unangreifbar verschanzt, aber der nördliche Flügel ragte hinein in einen großen, mit einer Backsteinmauer umzogenen Tierpark. Durch diese Mauer schien der Flügel völlig gedeckt, und wenn sie sorgsam genug bewacht wurde, so war es auch der Fall: ehe die Mauer niedergeworfen werden und ein erheblicher Teil des Entsatzheeres eindringen konnte, mußten immer überlegene Teile des französischen Heeres zur Stelle sein, um die Eingedrungenen wieder hinauszutreiben. Alles hing für das kaiserliche Heer davon ab, ob es gelang, die Aufmerksamkeit der Franzosen zu täuschen, und mit großen Massen in den Park einzudringen, ehe jene zum Gegenstoß gesamt waren. In der Nacht des 23. zum 24. Februar wurden eine Anzahl spanischer Arbeitssoldaten (vastadores) mit Rammwiddern und ähnlichen Instrumenten an den nördlichen Teil der Mauer geschickt, der von dem französischen Lager ziemlich entfernt war. Mit Fleiß wandte man keine Geschütze an, die Mauer niederzulegen, um nicht durch ihren Donner die Franzosen aufmerksam zu machen. Die Nacht war mondlos und stürmisch, so daß die Arbeit sich wirklich vollzog, ohne daß der Feind darauf achtete. Zu dieser Nachlässigkeit mag beigetragen haben, daß man nun schon drei Wochen einander gegenüberlag, fast jede Nach kleine Überfälle stattgefunden hatten, und man hinter irgend welchen Bewegungen nicht gleich etwas Größeres argwöhnte. Während die Bastadoren, die ganze Nacht arbeitend, drei große Breschen in die Stadtmauer legten, setzte sich die ganze Armee in Bewegung. Noch in dieser Dunkelheit brach man auf und langte, als es hell wurde, vor den Mauerlücken an. Wenn die Franzosen den Abmarsch bemerkt haben, mögen sie ihn sich als den Beginn des Rückzuges ausgelegt haben. In drei Kolonnen strömten die Kaiserlichen jetzt in den Park ein und marschierten auf. Voran gingen 3000 Schützen, Spanier und Landsknechte. Dann kamen die Reiter, dann die Landsknechte – diese zuletzt, vielleicht, weil sie die größte Masse bildeten und deshalb am längsten gebrauchten, die enge Bresche zu überwinden. Der Park hatte ein welliges Wiesengelände, von einem Bach durchflossen, hier und da Bäume und kleine Waldstücke, etwa in der Mitte eine Meierei oder ein kleines Jagdhaus, Mirabello. Bis hierher waren die Kaiserlichen bereits gelangt, als ihnen die Franzosen entgegentraten. König Franz selbst mit den Gendarmen kam angesprengt, und die französische Artillerie begann zu feuern. Die Kaiserlichen, ohnehin sehr schwach an Geschützen, brachten sie überhaupt nicht zum Feuern; die Franzosen, die im ganzen nicht weniger als 53 Stück hatten, schossen mit Erfolg. Besonders aber schlug die tapfere französische Gendarmerie die kaiserlichen Reiter zurück, so daß König Franz schon zu einem Begleiter sagte, der heutige Tag werde ihn zum Herrn von Mailand machen. Aber der Erfolg ging schnell vorüber. Die spanischen und deutschen Schützen, wohl zum Teil schon bewaffnet mit den neuen Gewehren, den Musketen, mit dem weiten sicheren Schuß und der gewaltigen Durchschlagskraft, leisteten ihren Reitern Hilfe. Die Bäume, Waldstücke und auch der Bach boten ihnen gegen die französischen Gendarmen eine Deckung und ihre Schüsse brachten so viele zu Falle, daß die kaiserlichen Reiter in den Kampf zurückkehren konnten. Mittlerweile aber waren die großen Infanteriehaufen im Vormarsch. Die französische Artillerie konnte sie nicht aufhalten, und sie stürzten sich auf den eben einrückenden vordersten Gevierthaufen des französischen Heeres, die „schwarze Bande“, 5000 Mann niederdeutsche Knechte. Im ganzen waren die beiden Heere an Infanterie wohl ziemlich gleich stark, gegen 20,000 Mann, die Franzosen überwogen an Reitern und an Geschützen. Aber das plötzliche Erscheinen des kaiserlichen Heeres im Morgengrauen an einer ganz unvermuteten Stelle brachte es mit sich, daß auch jetzt, wo dieses völlig aufmarschiert mitten im Park stand, derjenige Teil des französischen Heeres, der den südlichen Teil des Lagers inne hatte, die Schweizer, 8000 Mann, noch nicht zur Stelle waren. So konnten Frundsberg und Embs mit ihren beiden Haufen, 12,000 Mann, die „schwarze Bande“ von beiden Seiten „wie mit Zangen packen« und sie völlig zusammenhauen. Erst wie die Reste vereint mit den französischen Reitern zurückströmten, erschienen die Schweizer. Aber sie konnten das Schicksal des Tages um so weniger noch wenden, als jetzt auch die Besatzung von Pavia, einen Ausfall machend, in ihrem Rücken erschien. In ihrer verzweifelten Lage kamen die Schweizer überhaupt nicht mehr zu einem geschlossenen Angriff, wurden von allen Seiten angefallen und von der Übermacht, wie vorher die schwarze Bande, zusammengehauen, oder suchten ihr Heil in der Flucht. Noch hatte die Nachhut des französischen Heeres, unter dem Befehl des Herzogs von Alencon, die wohl hauptsächlich auf der anderen Seite von Pavia stand, nicht gekämpft. Aber der Herzog sah die Unmöglichkeit eines Erfolges und brach die Brücke, die die Franzosen im Süden über den Tessin geschlagen hatten, ab. Er rettete dadurch sich selbst und seinen Heeresteil, aber die anderen waren um so mehr verloren, kamen um in den Gewässern des Flusses oder wurden, wie König Franz selbst, mit vielen seiner Gendarmen gefangen. Der Sieg, der das feindliche Heer vernichtete, soll den Kaiserlichen nicht mehr als etwa 500 Tote gekostet haben, und das ist wohl möglich, daß sie ja vermöge des Überfalls und des Angriffs von der Flanke her in jeder einzelnen Phase des Gefechts immer mit großer Übermacht hatten wirksam werden können. Damit entfällt auch der Vorwurf der Mattigkeit, den Guicciardini gegen die Schweizer erhebt; sie konnten tatsächlich nichts machen.“

Die Winterschlacht in Masuren

Wir Deutschen heute den Jahrestag des Endes der Winterschlacht in Masuren. Diese wurde Anno 1915 von Hindenburg und Ludendorff in altbekannter Weise siegreich gegen die Russen geschlagen. Zwei russische Armeen mußten dran glauben und mit einem Verlust von 56,000 Toten und Verwundeten, 100,000 Gefangenen und hunderten Geschützen auch Ostpreußen endgültig weichen. Wie immer bei den Schlachten des Vierjährigen Krieges bietet sich das Ansehen des Filmes „Stoßtruppe 1917“ an, wenn auch im Osten der Stellungskrieg nicht so unermüdlich getobt hat und es bisweilen auch mal Bewegung in den Fronten gab… https://archive.org/details/Stosstrupp19171934 Unser Generalstabschef Ludendorff erzählt uns noch eine Runde über die Winterschlacht in Masuren. Der russische Gegenangriff wird nun abgeschlagen und unser Ludendorff lobt seine Truppen: https://archive.org/details/Ludendorff-Erich-Meine-Kriegserinnerungen

„Bei General von Gallwitz und dem rechten Flügel der VIII. Armee waren inzwischen die weiteren Verstärkungen von der X. Armee her eingetroffen. Wir waren jetzt kräftig genug, um zu beiden Seiten des Orshitz einen Gegenangriff gegen den durch die schweren Verluste der letzten Tage geschwächten Feind zu führen. Unser Stoß drang vom 8. bis 12. März vorwärts und kam nördlich Prassnysch zum Stehen. Der Russe antwortete mit heftigen Gegenangriffen. Am 18. März belehrte er unsere Truppen bei Jednoroshetz, daß der Sumpf kein sicherer Schutz gegen den Feind sei. Unsere Soldaten verbanden mit dem Begriff Sumpf den Begriff des Versinkens, der Russe als Naturkind wußte es besser. Die Sümpfe in jenen Kampfgebieten froren nur zum Teil zu, zum Teil lagen sie in geringer Höhe auf einer undurchlässigen Schicht und blieben durchwatbar. Westlich des Orshitz flaute der Kampf Ende März ab. Es wurde hier möglich, die LXXVI. Reservedivision heranzuziehen und sie noch östlich des Flusses einzusetzen. Auch die VI. Kavalleriedivision konnte westlich des Orshitz freigemacht werden, sie wurde nördlich des Pregel nötig gebraucht. Die Armeeabteilung Gallwitz hatte Großes geleistet, und auch dieser Führer konnte mit Recht stolz auf seine Truppen sein. Sie hatten sich einer außerordentlichen Überlegenheit erwehrt und sie sogar zurückgedrängt. Von Ende März und Anfang April ab fanden die Truppen der ganzen Südfront endlich die ersehnte Ruhe. Die Kämpfe von Lomsha bis Mlawa sind weniger bekannt geworden. Im Osten dachte Deutschland nur an große Schlachtenerfolge. Diese waren nicht mehr in so augenfälliger Weise zu erringen. Der große Gegenzug des Großfürsten gegen die Winterschlacht, der Angriff über den Narew gegen unsere nur schwach besetzte Flanke und zugleich ein Teil des Kriegsplans der Entente für das Jahr 1915 waren vereitelt; die Truppen und jeder einzelne Mann hatten sich der früheren Großtaten würdig geschlagen, die alten und neuen Formationen im Kampf miteinander gewetteifert. In den alten Formationen lag mehr nachhaltige Kraft. Landwehr und Landsturm hatten Vollwertiges geleistet. Die Führung war auf der Höhe ihrer Aufgaben, der vergangene Winterfeldzug eine stolze militärische Leistung.“

Die Schlacht am Kasserinpass

Unser Wüstenfuchs Rommel hat heute mal wieder zugeschlagen und zwar am Paß von Kasserine und im Jahr 1943. Erwischt hat es vor allem die Amerikaner, wenn auch ein paar Engländer und Gallier unter unsere deutschen Panzerketten gekommen sind. Gegen 30,000 gut verschanzte und ausgerüstete amerikanische Kriegsknechte trat unser Wüstenfuchs zum Sturm an und schlug diese in einer dreitägigen Schlacht. Die Verluste der Amerikaner betrugen 180 Panzer, 210 Geschütze, 610 Fahrzeuge und 10,000 Kriegsknechte. Das Ganze hätte mehr werden können, wenn man auf unseren Wüstenfuchs bei den Planungen gehört und diesem alle verfügbaren Kräfte und die 20 Tigerpanzer zur Verfügung gestellt hätte. Doch das mit dem Hören ist immer so eine Sache, wie unser Wüstenfuchs später feststellen mußte, als er versuchte die Rücknahme seiner Heeresgruppe nach Italien zu erreichen, wovon er uns nun in seinem Panzerbuch „Krieg ohne Haß“ berichtet:

„Als ich gegen Mittag beim Reichsmarschall, der sich zu dieser Zeit in Rom befand, anfragte, ob er mich zu sprechen wünsche, ließ er mir sagen, ich solle doch mit ihm zusammen im Sonderzug ins Führerhauptquartier fahren. Hermann Göring schien sehr viel daran zu liegen, zu gleicher Zeit mit mir dort anzukommen. Ich lehnte ab, denn ich wollte meinen Vortrag beim Führer ohne die dauernden Einwände Görings halten, die optimistisch gefärbt und deshalb zugkräftig waren. Am Nachmittag des 10. März traf ich im Führerhauptquartier in Rußland ein. Am Abend wurde ich zum Führer zum Tee gebeten und konnte mich mit ihm unter vier Augen aussprechen. Er schien durch die Katastrophe in Stalingrad sehr mitgenommen zu sein. Er sprach darüber, daß man nach Niederlagen leicht zum Schwarzsehen neige, was einen zu gefährlichen Trugschlüssen verleiten könne. Meinen Argumenten war er nicht zugänglich, sondern schien sie alle mit seiner Annahme abzutun, ich sei ein Pessimist geworden. In aller Eindringlichkeit wies ich darauf hin, daß wir die afrikanischen Truppen in Italien neu ausrüsten müssen, um mit ihnen den Südraum verteidigen zu können. Ich gab ihm sogar die Garantie – was ich im allgemeinen sehr ungern tue -, mit meinen Truppen jeglichen alliierte Invasion im Südraum abzuwehren. Es war nichts zu machen. Ich sollte eine Kur antreten. Bei den späteren Operationen auf Casablanca sollte ich wieder die Führung übernehmen. Er dachte gar nicht daran, daß es in Tunis schief gehen. könnte. Auch von einer Frontverkürzung wollte er nichts wissen, denn dann könne man nicht mehr offensiv werden. Meine Bitte, mich wenigstens in den nächsten Wochen, in denen sich ja zeigen werde, ob die Amerikaner angreifen, noch wie bisher mit dem Oberbefehl über die Heeresgruppe zu beauftragen, lehnte er ab. Immerhin schien er die Notwendigkeit einzusehen, die Infanterie aus Mareth sofort in die Gabesstellung zu verlegen und mit dem Ausbau der Stellung zu beginnen. Am nächsten Tag erschien der Reichsmarschall im Führerhauptquartier und brachte eine Welle von Optimismus mit sich, der jeglicher Grundlage entbehrte. Der Führer verlieh mir das Eichenlaub mit Schwertern und Brillanten, im übrigen blieb alles beim alten. Meine ganzen Bemühungen, meine Leute auf den Kontinent zu retten, blieben umsonst. Die angloamerikanische Offensive in Nordafrika ließ nicht lange auf sich warten. Der Führer hatte anfänglich befohlen, die Akaritstellung zu besetzen, doch waren bald Gegenbefehle ergangen. Und zwar war Kesselring ebenfalls sofort ins Führerhauptquartier geflogen und hatte dort ein williges Ohr gefunden, da er die günstigeren Nachrichten brachte. Für ihn war es besonders wichtig, durchzusetzen, daß an der Marethfront gehalten wird, da er und das Commando Supremo bereits diese Suppe eingebrockt hatten. Bei einer Besprechung sagte er später zu Generaloberst von Arnim, daß ich es versäumt hatte, die Gabesstellung in die Marethstellung einzubauen und ebenfalls zu befestigen, wie es im Sinne des Führers gewesen wäre. Dies zeigt deutlich, daß er das eigentliche Problem nicht erkannt hatte. Es war mit den vorhandenen Kräften unmöglich, gleichzeitig einen britischen Stoß auf Mareth, einen auf el Hamma und einen amerikanischen Angriff auf Gabes aufzufangen. Der ganze Ausbau der Marethstellung hatte keinerlei Wert, wenn die Briten oder Amerikaner westlich der Front zur Küste durchgebrochen waren. Auf jeden Fall mußte dann irgendwann ein Rückzug auf die Akaritlinie erfolgen, ohne daß die italienische Infanterie in der Marethstellung voll zur Wirkung gekommen wäre. Ob dieses Dreieck also festungsartig ausgebaut war oder nicht, allein diesen Auswuchs nach Mareth zu verteidigen, war ein Unsinn. Im übrigen sollte meine Ansicht durch die späteren, allerdings sehr bitteren Ereignisse völlig ihre Rechtfertigung erfahren. Vom Führerhauptquartier war befohlen worden, meine Abberufung unter allen Umständen geheim zu halten. Man wollte noch meinen militärischen Ruf zu Abschreckungszwecken verwenden. Da die strategische Position hoffnungslos war, hätte auch ein Napoleon nichts mehr machen können. Da half kein Optimismus und keine rücksichtslose Energie. Man mußte schießen und fahren, und dazu brauchte man Munition und Benzin. Die Lage von Arnims war nicht beneidenswert, und er tat alles Menschen mögliche, um die oberen Stellen zur Vernunft zu bringen. Es war vergebens.“

Heinrich Voß (Homers Ilias und Odyssee)

Anno 1751 wurde unser großer deutscher Dichter und Übersetzer Heinrich Voß im mecklenburgischen Sommersdorf geboren. Er legte eine recht ordentliche Gelehrtenlaufbahn hin, die ihren Abschluß mit einer Ehrenprofessur in Heidelberg fand. Berühmt wurde er für seine Gedichte und seine Übersetzungen der Werke Homers, Vergils, Hesiods, Ovids, Horaz, Aristophanes und noch vieler anderer Dichter der alten Griechen und Römer. Ausgelastet hat ihn das wohl nicht, zumindest fand er ab Anno 1786 Zeit für eine Fehde mit den Freimaurern. Zum Traualtar führte er seine Herzensdame Ernestine Boie Anno 1777 und zeugte mir der Söhne fünf. Einen Doppelschlag führen wir Panzertiere zu Ehren unseres Voß und suchen uns je ein Gedicht und je einen Übersetzungsauszug von ihm heraus. Dem Grafen Leopold zu Stolberg hat unser Voß auch ein paar schöne Verse gewidmet:

Stolberg, über der Stadt am schiffbaren Busen der Ostsee,

Wo du, mich einst zur Seite der Braut im Schatten des Frühlings

Grüßend, des Liebenden Glück durch Freundschaft glücklicher machtest:

Kränzt den Bord, der vor Alters die höheren Fluten zurückzwang,

Hoch und verwachsen, ein Wald voll Kühlung und ahndender Schauer.

Allda ruht‘ ich vom sinnenden Gang‘, am beschatteten Bergquell,

Horchend der lockenden Wachtel im grünlichen Rauche der Ähren,

Und dem Wogengeräusch, und dem fernher säuselnden Südwind.

Über mir wehten mit änderndem Grün die verschlungenen Buchen;

Und es strahlte verstohlen ein flüchtiger Schimmer der Sonne,

Jetzt auf den finstern Quell, und jetzt auf die blinkende Stechpalm‘,

Jetzo mir blendend aufs Lied des grauen ionischen Sängers.

Aber mit Einmal, siehe! da leuchtet‘ es: Hain und Gefilde

Schwanden in Licht; es erscholl, wie von tausend Nachtigallchören;

Und ein Gedüft, wie der Rosen, doch duftender, atmete ringsum.

Und nun trat aus dem Licht ein Unsterblicher: seine Gestalt war

Morgenglanz, sein Gewand ein feurigwallender Nordschein.

Zitternd verhüllt‘ ich mein Antlitz; allein der Unsterbliche nahm mich

Sanft bei der Hand, und Wonne durchschauerte meine Gebeine.

Und er begann zu reden, und sprach mit melodischer Stimme:

Fürchte nicht, o Jüngling, den Maioniden Homeros,

Welchen du Einsamer oft mit herzlicher lauter Entzückung

Nanntest! Ich komme zu dir, nicht aus dem stygischen Abgrund;

Denn kein Aides herrscht, kein Minos richtet die Toten

Drunten in ewiger Nacht: ich komm‘ aus dem lichten Gefilde,

Wo auch mein Gesang zum Vater aller emporsteigt.

Als mit himmlischer Harfe der isaïdische Seher

Gott den unsichtbaren im Allerheiligsten feirte,

Sang ich mit irdischer Harfe den schwacherleuchteten Völkern

Stammelnd den sichtbaren Gott im Heiligtume der Schöpfung;

Und, gleich Davids, lohnte der Vater mein kindliches Stammeln.

Sorgsam pflückte mein Lied die Blume jeglicher Tugend,

Wie sie am schwächeren Strahle der göttlichen Wahrheit entblühte:

Unschuld, goldene Treu und Einfalt; dankende Ehrfurcht

Vor der Natur und der Kunst wohlthätigen Kräften, der Urkraft

Genien! flammende Liebe des Vaterlandes, der Eltern,

Und des Gemahls und des Herrn; und menschenerhaltende Kühnheit.

Diese schimmernden Blumen, erfrischt vom Taue des Himmels,

Gab ich, in Kränze geflochten, der jungen ionischen Sprache.

Denn zur Priesterin weiht‘ ich die keusche heilige Jungfrau

Im Orakel der hohen Natur: daß sie täglich mit Nektar

Sprengend die sternenhellen und töneduftenden Kränze,

Aus dem Getön weissagte; und Völker von Morgen und Abend

Beteten an die Natur, des Unendlichen sichtbare Gottheit.

Aber nun stürmte der Schwarm des barbarischen Wahns und der Dummheit

Wütend daher, und zerschlug den Altar, und vertilgte der Kränze

Viele; die Priesterin floh mit den übrigen kaum in des Felsens

Kluft, und starb. Und siehe! die Kränze meines Gesanges,

Unerfrischt vom Nektar der Jungfrau, dufteten welkend

Leiseren Laut, gleich fernverhallenden Harfentönen.

Oft zwar stieg in die Kluft ein Beschwörer, vom Geiste der Jungfrau

Nektar zu heischen; allein sie erschien, ein täuschendes Unbild,

Und antwortete nicht dem ungeheiligten Schwätzer.

Auch stieg manche hinab der lebenden Sprachen, der toten

Priesterin Kränze zu rauben; doch schnell verschwanden die Kränze

Unter der Buhlerin Hand: dann pflückte sie heimische Blumen,

Ähnlich jenen, und flocht weissagende Kränze; mit Opfern

Strömte das Volk in den Tempel, und horchte der Afterprophetin.

Sohn der edleren Sprache Teutonia, die mit der jüngern

Schwester Jonia einst auf thrazischen Bergen um Orpheus

Spielte, von einerlei Kost der Nektartraube genähret;

Dann im Bardenhain, mit dem keuschen Volke der Freiheit,

Frei und keusch, die Gespielen verachtete, welche des Auslands

Klirrende Fessel trugen, von jedem Sieger geschändet:

Deine göttliche Mutter Teutonia, welche mein Klopstock

Von Siona geführt, mit Engelpalmen und Blumen

Vom edenischen Strome bekränzt‘ und zur Seherin Gottes

Weihete: sie nur verdient der Natur weissagende Kränze.

Auf! und heilige dich, daß du, ihr würdiger Herold,

Einen der Kränze, besprengt mit erfrischendem Nektar, heraufbringst.

Fleuch der Ehre vergoldeten Saal, des schlauen Gewinstes

Lärmenden Markt, und die Gärten der Üppigkeit, wo sie in bunter

Muschelgrotte ruht, und an der geschnittenen Laubwand.

Suche den einsamen Nachtigallhain, den rosenumblühten

Murmelnden Bach, und den See, mit Abendröte bepurpert,

Und im reifenden Korne den haselbeschatteten Rasen;

Oder den glatten Kristall des Winterstroms, die Gebüsche

Blühend von duftigem Reif, und in hellfrierenden Nächten

Funkelnde Schneegefilde, von Mond und Sternen erleuchtet.

Siehe da wird mein Geist dich umschweben mit lispelnder Ahndung,

Dich die stille Pracht der Natur und ihre Gesetze

Lehren, und meiner Sprache Geheimnisse: daß in der Felskluft

Freundlich erscheinend dir die Jungfrau reiche den Nektar.

Furchtbar ist, o Jüngling, die Laufbahn, welche du wandelst;

Aber zittere nicht: denn siehe! dich leitet Homeros!

Wie von der Sonne geführt am goldenen Bande, die Erde

Tanzet den wirbelnden Tanz; im Schmuck der Blumen und Früchte

Lächelt sie jetzt, und singt mit tausend Stimmen; doch jetzo

Hüllt sie ihr Antlitz in Wolken, umheult von Orkanen, des Weltmeers

Steigender Flur, und dem Feuer, das hinströmt; aber sie wandelt

Ruhig fort, und segnet mit Licht und Wärme die Völker:

Also wandle auch du, vom Kusse der Braut erheitert,

Und dem Lallen des Sohns am Busen des lächelnden Weibes;

Oder gehüllt in Schmerz, wann dir dein redlicher Vater

Starb, und die einzige Schwester, die frischaufblühende Rose!

Dreißig Monden daure die heilige Weihe; dann steige

Kühn und demutsvoll in die schaudrichte Höhle des Felsens.

Unerschreckt vom Gekrächze der Raben, die dich umflattern,

Flehe der Priesterin Geist, empfang‘ in goldener Schale

Ihren sprudelnden Nektar, und sprenge den Kranz, der Odysseus

Tugenden tönt; den andern gebührt ein anderer Herold.

Diesen trag‘ in der hohen Teutonia Tempel. Der Welt nicht,

Aber der Nachwelt Dank sei dir Lohn, und über den Sternen

Unter Palmen ein Sitz zur Seite deines Homeros.

Also sprach er. Da ward mir, als ob mein Leben in Schlummer

Sanft hinflösse. Ein Meer von Morgenrot umrauschte

Wiegend meinen Geist mit tönenden Harmonieen.

Als ich endlich gestärkt der sanftumwallenden Kühlung

Schaudernd entstieg; da erwacht‘ ich, und siehe! Hain und Gefilde

Grünten wie vor; allein die niedergesunkene Sonne

Schien mir unter den Zweigen mit rötlichem Schimmer ins Antlitz.

Freudig und ernstvoll ging ich durch tauende Roggengefilde

Heim, und erreichte bald die kleine Pforte der Mauer,

Wo mir Ernestine mit ausgebreiteten Armen

Lächelnd entgegensprang, und zürnete, daß sie so lange

Mir umsonst in der Laube die süßen Kirschen gesparet.

Aber du siehst ja so bleich, mein Lieber? Sage, was fehlt dir?“

Sprach sie und sah mich an. Allein ich wandte des Tages

Brennende Hitze vor, und sagte nicht, was geschehen war.“

In der Voßschen Übersetzung der Odyssee hilft die Göttin Athene Telemach, dem Sohn des Odysseus ein wenig auf die Sprünge: http://www.zeno.org/Literatur/M/Homer/Epen/Odyssee

„Götter, wie sehr bedarfst du des langabwesenden Vaters,

Daß sein furchtbarer Arm die schamlosen Freier bestrafe!

Wenn er doch jetzo käm und vorn in der Pforte des Saales

Stünde, mit Helm und Schild und zwoen Lanzen bewaffnet;

So an Gestalt, wie ich ihn zum ersten Male gesehen,

Da er aus Ephyra kehrend von Ilos, Mermeros‘ Sohne,

Sich in unserer Burg beim gastlichen Becher erquickte!

Denn dorthin war Odysseus im schnellen Schiffe gesegelt,

Menschentötende Säfte zu holen, damit er die Spitze

Seiner gefiederten Pfeile vergiftete. Aber sie gab ihm

Ilos nicht, denn er scheute den Zorn der unsterblichen Götter;

Aber mein Vater gab ihm das Gift, weil er herzlich ihn liebte:

Wenn doch in jener Gestalt Odysseus den Freiern erschiene!

Bald wär ihr Leben gekürzt und ihnen die Heirat verbittert!

Aber dieses ruhet im Schoße der seligen Götter,

Ob er zur Heimat kehrt und einst in diesem Palaste

Rache vergilt oder nicht. Dir aber gebiet ich zu trachten,

Daß du der Freier Schar aus deinem Hause vertreibest.

Lieber, wohlan! merk auf und nimm die Rede zu Herzen.

Fordere morgen zu Rat die edelsten aller Achaier,

Rede vor der Versammlung und rufe die Götter zu Zeugen.

Allen Freiern gebeut, zu dem Ihrigen sich zu zerstreuen;

Und der Mutter: verlangt ihr Herz die zwote Vermählung,

Kehre sie heim in das Haus des wohlbegüterten Vaters.

Dort bereite man ihr die Hochzeit und statte sie reichlich

Ihrem Bräutigam aus, wie lieben Töchtern gebühret.

Für dich selbst ist dieses mein Rat, wofern du gehorchest.

Rüste das trefflichste Schiff mit zwanzig Gefährten und eile,

Kundschaft dir zu erforschen vom lang abwesenden Vater,

Ob dir’s einer verkünde der Sterblichen oder du Ossa,

Zeus‘ Gesandte, vernehmest, die viele Gerüchte verbreitet.

Erstlich fahre gen Pylos und frage den göttlichen Nestor,

Dann gen Sparta, zur Burg Menelaos‘, des bräunlichgelockten,

Welcher zuletzt heimkam von den erzgepanzerten Griechen.

Hörst du, er lebe noch, dein Vater, und kehre zur Heimat;

Dann, wie bedrängt du auch seist, erduld es noch ein Jahr lang.

Hörst du, er sei gestorben und nicht mehr unter den Menschen,

Siehe, dann kehre wieder zur lieben heimischen Insel,

Häufe dem Vater ein Mal und opfere Totengeschenke,

Reichlich, wie sich’s gebührt, und gib einem Manne die Mutter.

Aber hast du dieses getan und alles vollendet,

Siehe, dann denk umher und überlege mit Klugheit,

Wie du die üppige Schar der Freier in deinem Palaste

Tötest, mit heimlicher List oder öffentlich! Fürder geziemen

Kinderwerke dir nicht, du bist dem Getändel entwachsen.

Hast du nimmer gehört, welch ein Ruhm den edlen Orestes

Unter den Sterblichen preist, seitdem er den Meuchler Aigisthos

Umgebracht, der ihm den herrlichen Vater ermordet?

Auch du, Lieber, denn groß und stattlich bist du von Ansehn,

Halte dich wohl, daß einst die spätesten Enkel dich loben!

Ich will jetzo wieder zum schnellen Schiffe hinabgehn

Und den Gefährten, die mich, vielleicht unwillig, erwarten.

Sorge nun selber für dich und nimm die Rede zu Herzen.“

Und der verständige Jüngling Telemachos sagte da gegen:

„Freund, du redest gewiß mit voller herzlicher Liebe,

Wie ein Vater zum Sohn, und nimmer werd ich’s vergessen.

Aber verweile bei uns noch ein wenig, wie sehr du auch eilest;

Lieber, bade zuvor und gib dem Herzen Erfrischung,

Daß du mit froherem Mut heimkehrest und zu dem Schiffe

Bringest ein Ehrengeschenk, ein schönes köstliches Kleinod

Zum Andenken von mir, wie Freunde Freunden verehren.“

Drauf antwortete Zeus‘ blauäugichte Tochter Athene:

„Halte nicht länger mich auf; denn dringend sind meine Geschäfte.

Dein Geschenk, das du mir im Herzen bestimmest, das gib mir,

Wann ich wiederkomme, damit ich zur Heimat es bringe,

Und empfange dagegen von mir ein würdiges Kleinod.“

Also redete Zeus‘ blauäugichte Tochter, und eilend

Flog wie ein Vogel sie durch den Kamin. Dem Jünglinge goß sie

Kraft und Mut in die Brust und fachte des Vaters Gedächtnis

Heller noch an wie zuvor. Er empfand es im innersten Herzen

Und erstaunte darob; ihm ahndete, daß es ein Gott war.“

Nikolaus Kopernikus

Anno 1473 wurde in unserer westpreußischen Stadt Thorn unser großer deutscher Sternenforscher Nikolaus Kopernikus geboren. Als Arzt und Domherr verdiente er seine Brötchen und betrieb nebenher seine Forschungen. Er entdeckte, daß sich die Erde in Wahrheit um die Sonne dreht und brachte damit die Pfaffen ganz schön ins Schwitzen. Obwohl unser Kopernikus unzweifelhaft aus einer deutschen Familie stammt und seine Schriften ausschließlich in Lateinisch und Deutsch geschrieben hat, versuchen die Polen ihn uns streitig zu machen. Ihnen und den Umerzogenen sei darauf einmal mehr mit mir geantwortet: https://www.youtube.com/watch?v=awOPflsg-Rk Seine Forschungen dargelegt hat uns unser Kopernikus in seinem Buch „Über die Kreisbewegungen der Weltkörper“ und darin beginne ich nun mit seinem Vorwort: https://archive.org/details/berdiekreisbew00copeuoft

Ich zweifle nicht, daß manche Gelehrte über den schon allgemein verbreiteten Ruf von der Neuheit der Hypothesen dieses Werkes, welches die Erde als beweglich, die Sonne dagegen als in der Mitte des Universums unbeweglich hinstellt, sehr aufgebracht und der Meinung sein mögen, dass die freien und schon vor Zeiten richtig begründeten Wissenschaften nicht hätten gestört werden sollen. Wenn sie aber die Sache genau erwägen wollten, würden sie finden, dass der Verfasser dieses Werkes nichts unternommen hat, was getadelt zu werden verdiente. Denn es ist des Astronomen eigentlicher Beruf, die Geschichte der Himmelsbewegungen nach gewissenhaften und scharfen Beobachtungen zusammenzutragen, und hierauf die Ursachen derselben, oder Hypothesen darüber, wenn er die wahren Ursachen nicht finden kann, zu ersinnen und zusammen zu stellen, aus deren Grundlagen eben jene Bewegungen nach den Lehrsätzen der Geometrie, wie für die Zukunft, so auch für die Vergangenheit richtig berechnet werden können. In beiden Beziehungen hat aber dieser Meister Ausgezeichnetes geleistet. Es ist nämlich nicht erforderlich, dass diese Hypothesen wahr, ja nicht einmal, daß sie wahrscheinlich sind, sondern es reicht schon allein hin. wenn sie eine mit den Beobachtungen übereinstimmende Rechnung ergeben; es müsste denn Jemand in der Geometrie und Optik so unwissend sein, dass er den Epizyklus der Venus für wahrscheinlich und ihn für die Ursache davon hielte, dass sie um vierzig Grade und darüber zuweilen der Sonne vorausgeht; zuweilen ihr nachfolgt. Denn wer sieht nicht, wie bei dieser Annahme notwendig folgen würde, dass der Durchmesser dieses Planeten in der Erdnähe mehr als viermal, der Körper selbst aber mehr als sechzehn mal so groß erscheinen müsste, als in der Erdferne, und dem widerspricht doch die Erfahrung jeden Zeitalters. Es gibt auch noch andere, nicht geringere Widersprüche in dieser Lehre, welche wir hier nicht zu erörtern brauchen. Denn es ist hinlänglich bekannt, dass diese Lehre die Ursachen der scheinbar ungleichmäßigen Bewegungen einfach gar nicht kennt; und wenn sie welche in der Vorstellung erdenkt, wie sie denn sicherlich sehr viele erdenkt so erdenkt sie dieselben keineswegs zu dem Zwecke, um irgend Jemanden zu überreden, dass es so sei, sondern nur dazu, damit sie die Rechnung richtig begründen. Da aber für eine und dieselbe Bewegung sich zuweilen verschiedene Hypothesen darbieten, wie bei der Bewegung der Sonne die Exzentrizität und der Epizyklus, so wird der Astronom diejenige am liebsten annehmen, welche dem Verständnisse am Leichtesten ist. Der Philosoph wird vielleicht mehr Wahrscheinlichkeit verlangen. Keiner von Beiden wird jedoch etwas Gewisses erreichen, oder lehren, wenn es ihm nicht durch göttliche Eingebung enthüllt worden ist. Gestatten wir daher auch diesen Hypothesen, unter den, durch Nichts wahrscheinlicheren, alten bekannt zu werden, zumal da sie zugleich bewunderungswürdig und leicht sind, und einen ungeheuren Schatz der gelehrtesten Beobachtungen mit sich bringen. Möge Niemand in Betreff der Hypothesen etwas Gewisses von der Astronomie erwarten, da sie Nichts dergleichen leisten kann, damit er nicht, wenn er das zu anderen Zwecken Erdachte für Wahrheit nimmt, törichter aus dieser Lehre hervorgehe, als er gekommen ist. Lebe wohl…“

Heinrich Pestalozzi

Wir unsres Orts haben nicht von Erziehung des Volks im Gegensatze höherer Stände geredet, indem wir Volk in diesem Sinne, niedern und gemeinen Pöbel, gar nicht länger haben wollen, noch er für die deutschen Nationalangelegenheiten ferner ertragen werden kann, sondern wir haben von Nationalerziehung geredet. Soll es jemals zu dieser kommen, so muß der armselige Wunsch, daß die Erziehung doch ja recht bald vollendet sein, und das Kind wieder hinter die Arbeit gestellt werden möge, gar nicht mehr zu Ohren kommen, sondern sogleich an der Schwelle der Beratung über diese Angelegenheit abgelegt werden. Zwar wird meines Erachtens diese Erziehung nicht kostspielig sein, die Anstalten werden guten Teils sich selbst erhalten können, und es wird der Arbeit kein Eintrag geschehen; und ich werde meine Gedanken hierüber zur Zeit darlegen: aber wenn dies auch nicht so wäre, so muß unbedingt und auf jede Gefahr der Zögling in der Erziehung so lange bleiben, bis sie vollendet ist und vollendet sein kann; jene halbe Erziehung ist um nichts besser, denn gar keine; sie läßt es eben beim Alten, und wenn man dies will, so erspare man sich lieber auch das Halbe, und erkläre gleich von vorn herein geradezu, daß man nicht wolle, daß der Menschheit geholfen werde. Unter jener Voraussetzung nun kann in der bloßen Nationalerziehung, so lange dieselbe dauert, Lesen und Schreiben zu nichts nützen, wohl aber kann es sehr schädlich werden, indem es von der unmittelbaren Anschauung zum bloßen Zeichen, und von der Aufmerksamkeit, die da weiß, daß sie nichts fasse, wenn sie es nicht jetzt und zur Stelle faßt, zur Zerstreutheit, die sich ihres Niederschreibens tröstet, und irgend einmal vom Papiere lernen will, was sie wahrscheinlich nie lernen wird, und überhaupt zu der den Umgang mit Buchstaben so oft begleitenden Träumerei leichtlich verleiten könnte, so wie es dieses auch bisher getan hat. Erst am völligen Schlusse der Erziehung, und als das letzte Geschenk derselben mit auf den Weg, könnten diese Künste mitgeteilt und der Zögling geleitet werden durch Zergliederung der Sprache, die er schon längst vollkommen besitzt, die Buchstaben zu erfinden und zu gebrauchen; welches ihm bei der übrigen Bildung, die er schon erlangt hat, ein Spiel sein würde.“ (Gottlieb Fichte, „Reden an die deutsche Nation“)

Diese Worte sprach unser Denker Fichte eingedenk der Lehren und des Wirkens unseres großen deutschen Schulerneuerers, der Anno 1746 in Zürich geboren wurde. Als Sproß einer Artfamilie kann man ihn zu den höheren Ständen zählen, umso lobenswerter sind seine Versuche dem gemeinen Volk durch ein besseres Schulwesen zu helfen. Den Anfang machte er Anno 1773 mit der Aufnahme von 40 Waisenkindern auf seinem Bauernhof, um diese auszubilden und zu erziehen. Was wohl etwas zu viel des Guten war, denn schon Anno 1779 mußte unser Pestalozzi sein Vorhaben wegen Geldmangels wieder aufgeben. Erst Anno 1800 wagte er mit einer Schule einen zweiten Anlauf. Dieses Mal dauerte sein Unterfangen immerhin bis Anno 1825. Erneut war der Geldmangel für das Scheitern unseres Pestalozzis verantwortlich. Mehr Erfolg waren ihm als Schriftsteller beschieden, wie die begeisterte Aufnahme seiner Gedankengänge durch unseren Fichte zeigt. Zum Weib nahm er Anno 1769 Anna Schulthess, mit der er den Sohn Hans zeugte. „Meine Lebensschicksale als Vorsteher meiner Erziehungsinstitute in Burgdorf und Iferten“, „Schwanengesang“, „An die Unschuld, den Ernst und den Edelmut meines Zeitalters und meines Vaterlandes“, „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“, „Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts“, „Ja oder Nein“, „Lienhard und Gertrud“ oder „Die Abendstunde eines Einsiedlers“ lauten die glanzvollen Namen seiner Werke, welche unbedenklich der heimischen Panzerbüchersammlung hinzugefügt werden können. Einige Leseproben geben wir Panzertiere zur Feier des Tages von diesen zum Besten. Als sein eigener Chronist trat unser Pestalozzi in der Schrift „Meine Lebensschicksale als Vorsteher meiner Erziehungsinstitute in Burgdorf und Iferten“ in Erscheinung und darin lese ich nun ein Stückchen weiter: http://www.zeno.org/Kulturgeschichte/M/Pestalozzi,+Johann+Heinrich/Meine+Lebensschicksale+als+Vorsteher+meiner+Erziehungsinstitute

„Unter diesen Umständen hätte man denken sollen, ein jedes Kind würde eine solche Anstalt zur allgemeinen Zufriedenheit führen können. Und doch konnten wir es nicht, und in dieser Unbehaglichkeit, in der sich das Haus jetzt in Rücksicht auf mich und unter sich selber dießfalls befand, war es, daß die helvetische Regierung ihre Endschaft erreichte. Die Bernerische Regierung trat wieder an ihre Stelle; ich mußte den Sitz meiner Anstalt verlassen, und hatte unter der helvetischen Regierung in meiner gewohnten Gedankenlosigkeit keinen Schritt getan, die mir von ihr zugesagten Vorteile für die Rechte und die Dauer meiner Stelle und meines Sitzes im Schlosse Burgdorf auf eine rechtskräftige Art sicher zu stellen, wie ich es hätte tun können, und die damalige Regierung es gern getan hätte. Da die wieder eingetretene Bernerische Regierung mich fragen ließ: was für rechtförmliche Titel ich für die Art und Weise, wie ich in ihrem Schlosse sitze, aufzuweisen habe, hatte ich von allem dem, was ich unter diesen Umständen jetzt dringend bedurfte, gar nichts; worauf sie mir sagen ließ, ihr Herr Oberamtmann brauche meine Wohnung als Regierungssitz; mit dem wohlwollenden Beifügen, sie wolle mir aber ihr Kloster Buchsee zu einem anständigen und genugtuenden Aufenthalt für meine Anstalt auf ihre Kosten zurecht machen lassen. Sie tat es auch auf der Stelle, und auf eine Weise, für die ich ihr unter den Umständen, in denen ich mich befand, aufrichtigen Dank schuldig bin. Dieses Begegnis aber war jetzt eigentlich geeignet, meinen Gehilfen in der Verlegenheit, in welcher sie sich meiner Regierungsunfähigkeit halber in ihrem Verhältnis gegen mich befangen fühlten, einen ganz unerwarteten Ausweg zu zeigen. Die in einem hohen Grad bekannte Regierungsfähigkeit Herrn von Fellenbergs, den ich damals als einen meiner ersten Freunde kannte und liebte, erregte in ihnen sogleich den Gedanken, er sei wie niemand in der Welt in der Lage, die Regierung meiner Unternehmung, der ich nicht vorzustehen im Stande sei, mit gesichertem Erfolge und unter den vorteilhaftesten Bedingnissen um so mehr zu übernehmen, da das meiner Anstalt angewiesene Lokal sich beinahe an seiner Türe befinde. Die Gesammteit meiner Lehrer säumten auch keinen Augenblick, ohne mein Vorwissen ihm die Verlegenheit, in welcher sie sich wegen meiner gänzlichen Unfähigkeit, mein Hauswohl zu regieren, befanden, zu eröffnen, und ihm die Regierung desselben anzubieten. Das war auch sehr bald in Ordnung. Die Direktion meiner Anstalt wurde zwar nicht ohne meine Einwilligung, aber zu meiner tiefsten Kränkung an ihn übergeben. Aber der Traum von Glück, wohl regiert zu werden, verlor bei den ersten Personen, die diesen Regierungswechsel mit viel Gewandtheit betrieben, den Reiz ihres ursprünglichen Enthusiasmus gar bald. Meinen in und durch das Nichtregiertwerden an meiner Seite verwöhnten Umgebungen mißfiel jetzt das Regiertwerden sehr bald weit mehr, als ihnen das Nichtregiertsein unter meiner Regierungsunfähigkeit je mißfallen hatte. Es konnte nicht anders kommen. Die Organisation des Hauses und die Vereinigung des Personale meiner Lehrer mit und unter Herrn von Fellenberg war eine, in ihren Elementen eben so heterogene Zusammensetzung, als es diejenige des nämlichen Personale mit mir war. Es zeigten sich sogleich unter dieser Führung Schwierigkeiten, die man nicht ahnte, die aber sehr viel dazu beitrugen, daß die Lehrer meiner Anstalt den Wunsch einer neuen Abänderung ihrer Lage sehr bald entschieden und lebendig aussprachen. Es war indes nicht daran zu denken, meine Anstalt von Herrn von Fellenberg wieder unabhängend zu machen und in Buchsee durch mich regieren zu lassen. Sie mußte von da weg, um wieder an meine Seite gebracht werden zu können. Bei den vielfachen Anerbietungen von Schlössern und Wohnungen, die mir, seitdem es bekannt war, daß ich Burgdorf verlassen müsse, unter sehr vorteilhaften und ehrenhaften Bedingnissen gemacht wurden, zeichnete sich die Stadt Iferten im Wunsche, daß ich mich in ihrer Mitte niederlassen möchte, vorzüglich aus, und ich teilte ihr in Antwort auf das Einladungsschreiben ihrer Munizipalität die äußerst vorteilhaften Bedingnisse, welche von mehrern Städten hiesigen Kantons an mich gelangten und namentlich diejenigen von Peterlingen, mit, deren Munizipalität mir die gänzliche Ausbauung ihres Schloßes völlig nach meinem Gutdünken, eine jährliche Pension von hundert Louisd’or, das Stadtbürgerrecht und noch mehrere andere Vorteile anerbot, wenn ich meine Anstalt dahin verlegen werde. Die Munizipalität von Iferten antwortete mir mit den bestimmten Worten: was jede andere Stadt mir diesfalls tun wolle, das könne und wolle sie auch tun, und ich glaubte ihrer Erklärung in ihrer ganzen Ausdehnung mit unbedingtem Vertrauen. Sie trat sogleich mit der Regierung des Schloßes halber, das ein Cantonaleigenthum war, in Unterhandlung, und diese verkaufte es ihr unter der ausdrücklichen Belästigung, mir den Besitz desselben für die Dauer meines Lebens zuzusichern, und es auf eine, meine Zwecke befriedigende Weise einzurichten und zu unterhalten. Im gleichen Zeitpunkt äußerten sich einige, von mir sehr geschätzte Glieder Ker Cantonsregierung, sie würden meinen Aufenthalt in Iferten, wegen der Nähe von Lausanne, demjenigen in Peterlingen vorziehen. Auf dieses hin trat ich mit der Stadtbehörde von Iferten meiner Wohnung halber in Unterhandlung. Diese sicherte mir aufs bestimmteste zu, mir ihr Schloß lebenslänglich zu überlassen und dasselbe auf eine, meinem Unternehmen genugtuende Weise einzurichten und zu unterhalten. Ich ging mit einigen meiner Gehilfen nach Iferten, und gründete eine neue Anstalt; meine ursprünglich in Burgdorf gebildete aber, mit den übrigen meiner Lehrer ließ ich unter Herrn von Fellenbergs Leitung in Münchenbuchsee. Kaum war ich ein halbes Jahr in Iferten, so äußerten die in Buchsee zurückgebliebenen Lehrer ihren entschiedenen Vorsatz, von Buchsee wegzuziehen und sich an meinem nunmehrigen Aufenthaltsorte mit mir aufs neue zu verbinden…“

Hans Friedrich Karl Günther

Anno 1891 wurde in Freiburg in Breisgau unser großer deutscher Rasseforscher Hans Friedrich Karl Günther geboren. Was wir alten Rittersleute schon lange wußten und daher etwa auf die Ebenbürtigkeit der Ehen bestanden, hat er auf eine feste naturwissenschaftliche Grundlage gestellt. Sehr zum Leidwesen der (((amerikanischen))) Umerziehung, der unsere heutige Panzergeburtstagsfeier übel aufstoßen dürfte. Wir Panzertiere schlürfen nämlich nicht nur den ein oder anderen Schädel Met zu Ehren unseres Günthers, sondern lesen auch aus dessen Bücher vor und bebildern unsere Vorträge entsprechend. Seine Gelehrtenlaufbahn begann unser Günther Anno 1910 den der Hochschule von Freiburg, wo er die Sprachwissenschaft, die Menschenkunde, die deutsche Sprachlehre, die Lebenswissenschaft und die Gesellschaftskunde studierte. Seine Doktorwürde erhielt er anno 1914 und hätte unzweifelhaft im Vierjährigen Krieg gestritten, jedoch hinderte ihn daran das Rheuma. In den folgenden Jahren veröffentliche er seine ersten Arbeiten zur Rassenforschung und verdiente sein Brot als Lehrer. Anno 1930 erhielt er zu Jena seinen ersten Lehrstuhl. Anno 1940 wurde er an die Berliner Hochschule berufen und Anno 1940 bekam er sein eigenes Institut an der Freiburger Universität. Großes stand zu erwarten, aber der Sieg der sogenannten Vereinten Nationen im Sechsjährigen Krieg zertrat das junge Pflänzchen der Rassenforschung. Unser Günther setzte seine Arbeit zwar fort, konnte aber den Hexensabbat Anno 1968 leider nicht verhindern… Anno 1923 ehelichte er seine Herzensdame Maggen Blom, die ihm die Töchter Ingrid und Sigrun schenkte. Seine Bücher tragen so wohlklingende Namen wie „Ritter, Tod und Teufel“, „Rassenkunde des deutschen Volkes“, „Rassenkunde Europas“, „Der Nordische Gedanke unter den Deutschen“, „Adel und Rasse“, „Rasse und Stil“, „Deutsche Köpfe nordischer Rasse“, „Rassengeschichte des hellenischen und des römischen Volkes“, „Volk und Staat in ihrer Stellung zu Vererbung und Auslese“, „Die Verstädterung“, „Frömmigkeit nordischer Artung“, „Herkunft und Rassengeschichte der Germanen“, „Das Bauerntum als Lebens- und Gemeinschaftsform“, „Bauernglaube“, „Formen und Urgeschichte der Ehe“, „Platon als Hüter des Lebens“ oder „Führeradel durch Sippenpflege“ und sollten bei Gelegenheit der heimischen Panzerbuchsammlung hinzugefügt werden. Mit seiner „Kleinen Rassenkunde des deutschen Volkes“ hat unser Günther – in Fachkreisen auch Rasse-Günther genannt – ein handliches Nachschlagewerk geschaffen, welches man in Rassenfragen aller Art zu Rate ziehen kann. Als Kostprobe daraus gibt es die seelischen Eigenschaften der dinarischen und der ostischen Rasse: https://velesova-sloboda.info/antrop/guenther-kleine-rassenkunde-des-deutschen-volkes.html

„c) Die dinarische Rasse – Wollen Künstler den kühnen Alpenjäger, den verläßlichen Bergführer der Alpen, den Tiroler Freiheitskämpfer gegen Napoleon oder den heldenhaften montenegrinischen oder albanischen Krieger, den kraftvollen Alpenjäger des französischen oder italienischen Heeres darstellen, so wird zumeist das Bild eines Mannes dinarischer oder vorwiegend dinarischer Rasse, gelegentlich – nämlich bei heller Haut-, Haar- und Augenfarbe – das eines dinarisch-nordischen oder nordisch-dinarischen Mannes entstehen, ebenso wie das Bild einer dinarischen oder vorwiegend dinarischen Frau, wenn ein Künstler eine ihr Hauswesen tüchtig leitende Bäuerin oder Gasthofwirtin darstellen will. Die dinarische Rasse ist in ihrem seelischen Verhalten gekennzeichnet durch rauhe Kraft und Geradheit, durch Ehrsinn und ausgesprochene Heimatliebe, durch Tapferkeit und betontes Selbstbewußtsein. Ihr eignet ein lebhaftes Naturgefühl und ein Sinn zu reichhaltiger Ausgestaltung der Umwelt in Haus und Landschaft. Eine gewisse Kühnheit des dinarischen Menschen ist mehr auf körperliche Leistungen gerichtet als auf einen geistigen Eroberungsdrang, wie er innerhalb der nordischen Rasse häufiger ist. Auch lebt der dinarische Mensch mehr in der Gegenwart als der vorausblickende nordische, weshalb sich innerhalb der dinarischen Rasse ein zielbewußter Unternehmungsgeist nicht entfalten kann. Kennzeichnend ist die dinarische Neigung zu jähem Aufbrausen und zu Rauflust, doch auf dem Grunde einer im allgemeinen gutmütig-heiteren, geselligen Veranlagung. Die verhältnismäßig hohe Bestrafungsziffer für gefährliche Körperverletzung im deutschen Südosten muß hauptsächlich dem dortigen Vorwiegen der dinarischen Rasse zugeschrieben werden. Unverkennbar ist die dinarische Neigung zu derbem, etwas ungeschlachtem und lautem Auftreten und einer entsprechenden Geselligkeit, ebenso die leicht erregbare Begeisterungsfähigkeit des dinarischen Menschen, dem überhaupt ein gewisser „Schwung“ in Empfindung und Auftreten eignet, dazu eine gröbere Schlagfertigkeit und anschauliche Sprachgestaltung, nicht selten eine ausgesprochene schauspielerische Begabung, auch eine ausgesprochene Menschenkenntnis mit der Neigung zu einer gewissen „bauernschlauen“ Berechnung der Menschen, besonders ihrer Schwächen. Die dinarische Rasse ist besonders für Tonkunst, vor allem für Gesang, begabt. Nordische Schöpferkraft und dinarische tonkünstlerische Begabung – eine Begabung, welche der nordischen Rasse zwar keineswegs fehlt, in ihr aber nicht so reichhaltig und gleichsam so überströmend wie in der dinarischen Rasse vorkommt —: das Zusammentreffen solcher Erbanlagen hat offenbar am meisten zur Hervorbringung der großen Tonsetzer und Tonkünstler des Abendlandes beigetragen: diese sind zumeist nordisch-dinarische Menschen gewesen.

d) Die ostische Rasse – Will ein Zeichner mitteleuropäischer Herkunft den beschaulichen oder behäbigen Bürger, den zufriedenen und selbstzufriedenen Stammtischgast, ein geruhiges spießbürgerliches Ehepaar, den „sonnig“ betrachtenden Besitzer eines Häuschens mit engem Garten oder eine in einer enger umschlossenen Umwelt dahinwerkelnde Frau oder einen erwerbsamen Kleinkapitalisten oder Kleinhändler mit seiner Familie oder auch Menschen „formlosen“ Auftretens und „mangelnden Abstandsgefühls“, auch Menschen der mittleren und unteren Stände darstellen, so wird er zumeist untersetzte, runde Menschen mit runden Gesichtern, kleinen Augen und stumpfen Nasen zeichnen, dazu kurze Beine, runde, gepolstert wirkende, kurzfingrige Hände, kurz ungefähr das Bild der ostischen Rasse wählen. Der Zeichner wird – unbewußt gemachten Erfahrungen einer unbewußt in ihm entstandenen Rassenseelenkunde entsprechend – für die angegebenen seelischen Züge keinesfalls die leiblichen Merkmale der nordischen, westischen oder dinarischen Rasse verwenden können. Beschaulichkeit, Erwerbsamkeit und Engherzigkeit sind den Rassenforschern verschiedener Länder am ostischen Menschen aufgefallen, ferner eine gewisse mürrische, mißtrauische Verschlossenheit im Verkehr mit fernerstehenden Menschen. Die ostische Rasse stellt den Schlag des „Spießbürgers“ – dieses Wort als Bezeichnung einer Gesinnung, nicht eines Standes genommen. Der ostische Mensch ist geduldig, oft nüchtern, „praktisch“. Erwerbsam betreibt er kleine Unternehmungen und Geschäfte, eignet sich verschiedene „Bildung“ an und bekundet dabei oft eine achtenswerte Klugheit. Ruhig und beharrlich kann er bürgerliches Ansehen erreichen und Lebensstellungen oder berufliche Erfolge, die bei ausgesprochenem Sinn für das Nützliche demjenigen zugänglich sind, der doch keine eigentliche Kühnheit des Empfindens und Handelns einzusetzen hat, sondern sich seine Ziele enger begrenzt und mit ziemlich gleichmäßiger Geduld verfolgt. Der ostische Mensch neigt zum Beharren, zur Behaglichkeit, zur Beseitigung allen Wettbewerbs; er will das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und bewegt sich gerne jeweils in den Anschauungen, die sich in der breiten Masse durchgesetzt haben. Er „betet die Gleichmäßigkeit“ an (Lapouge), das Mittelmäßige und Gewohnte, welches ihm Gemütlichkeit verspricht; daher im gegenwärtigen Zeitabschnitt der abendländischen Geschichte auch seine „Neigung zur demokratischen Gleichheitslehre“ (Ammon) ; daher der nicht selten zu beobachtende Widerwille, ja Haß ostischer Menschen gegen alles Menschlich-Überragende in ihrer Umwelt und die Neigung zu Nörgelei und Neid. Der Sinn des ostischen Menschen ist auf das Nahe und Nächste gerichtet, dem Fernen, Vordringenden, dem Leichtsinn, der Verschwendung, dem Unnützlichen abgeneigt. Daher die Neigung zur Beschaulichkeit, zum stillen, traulichen, „sonnigen“ Betrachten naher Dinge einer enger umschlossenen Welt, die sich bei den geistigeren Menschen der ostischen Rasse zeigt, auch deren warmes Empfinden gegenüber Menschen, die nichts Überragendes, Angriffslustiges haben. Auch im Glaubensleben ostischer Menschen zeigt sich eine abgeschlossene Gefühlswärme, eine still behütete, zur Selbstgerechtigkeit neigende Frömmigkeit. Die Familie ostischer Menschen bildet zumeist eine geschlossene, geschäftige Gruppe. Im Staate neigt der ostische Mensch zur Massenbildung, wobei sein Blick meist nicht weit über Familie, Dorf oder Stadtteil hinausreicht. Kriegerische Neigungen sind dem ostischen Menschen fern, doch scheint er bei angemessener Führung als Soldat zur Abwehr ebenso geeignet zu sein, wie nordische und dinarische Soldaten zum Angriff. Er ist im allgemeinen ein ruhiger, sich anpassender Untertan. Im Rassengemisch eines Volkes stellt die ostische Rasse einen in allen Ständen vertretenen, im allgemeinen von den unteren gegen die oberen Stände hin abnehmenden Bestandteil, der durch Fleiß, Erwerbsamkeit, Sparsamkeit und Mäßigkeit, durch Gemütswärme und einen gewissen „gesunden Menschenverstand“ in Führung zum Gedeihen des Ganzen beiträgt. So ist zum Beispiel das engzufriedene Rentnerglück nach geschäftig werkelndem Leben ein echt ostisches Wunschbild, wie es sich im französischen Leben ausgebildet hat. Auf der engherzigen Sparsamkeit solcher Rentner hat aber der französische Staat einen wesentlichen Teil seiner Politik aufgebaut…“

Die Übergabe von Belfort

Die gallische Festung Belfort haben wir Deutschen am heutige Tag im Jahre 1871 eingenommen. Mit 18,000 Recken belagerte unser General Udo von Tresckow um die 17,000 Gallier, wobei er 2100 Mann einbüßte und die Gallier 4700 Kriegsknechte verloren haben. Bedeutend wurde die Belagerung Belforts allerdings durch den Entsatzversuch der Gallier. Diese boten nämlich ihre Ostarmee mit 150,000 Kriegsknechte zu diesem Zweck auf. Das Unterfangen endete aber an der Lisaine in einem Fehlschlag, da unser XIV. Korps unter Werder mit seinen 37,000 Mann den Galliern den Weg nach Belfort erfolgreich versperrte. Schlimmer noch, unsere Südarmee unter Manteuffel im Anmarsch war und die gallische Ostarmee in die Schweiz jagte. Wer die genaue Geschichte der Belagerung erfahren möchte, dem sei dieses kluge Büchlein vom hochgelehrten Herrn Castenholz in drei Bänden empfohlen:

Erster Band: https://archive.org/details/diebelagerungvo00castgoog

Zweiter Band: https://archive.org/details/diebelagerungvo01castgoog

Dritter Band: https://archive.org/details/diebelagerungvo02castgoog

Da wir es von der Panzertruppe gemeinhin so genau aber nun auch nicht wissen müssen, lese auch ich ein weiteres Stück aus Moltkes Geschichte des gallischen Krieges von 1870-71 vor. Den Galliern gelingt es unseren ersten Sturmversuch abzuwehren: https://archive.org/details/geschichtedesdeu00moltuoft

„Schon tags darauf wurde zur Aushebung der ersten Parallele gestritten, welche von Danjoutin bis Haut Taillis eine Ausdehnung von 1800 Metern hatte. Fünf Bataillone und zwei Pionierkompanien führten diese Arbeit vom Feinde ungestört aus, doch hatte der selbe Boden verhindert, sie schon in vorschriftsmäßiger Breite herzustellen. General von Tresckow glaubte schon jetzt, zur gewaltsamen Erstürmung der beiden Forts Perches schreiten zu können. Zwei Halbredouten mit drei Meter tiefen, senkrecht in den Felsboden eingeschnittenen Gräben, Hohltraversen und bombensichere Blockhäuser in der Kehle gewährten den Verteidigern Schutz. Die Armierung bestand aus je sieben12cm-Kanonen. Untereinander waren beide Werke durch Einschnitte verbunden, hinter welchen Reserven bereit standen. In der rechten Flanke wurde diese Stellung durch ein Bataillon nebst Ausfallbatterie in Le Fourneau gesichert, in der linken war der herantretende Wald auf 600 Meter Entfernung abgeholzt, und Drahtnetze zwischen den Baumstümpfen bildeten ein fast undurchdringliches Hindernis. Vor der Front lag der sanft aufsteigende Hang des Höhenrückens im Kreuzfeuer beider Forts. Nachdem am Abend vorher der Ausbau der Parallele weit genug vorgeschritten war, um größere Abteilungen dort aufzustellen, wurde am 27. zum Sturm geschritten. Zwei Kolonnen in der Stärke von einem Bataillon, einer Pionierkompanie und zwei Geschützen brachen in der Morgendämmerung des 27. Januar zum Angriff vor. Gegen die Front der Basses Perches gingen zwei Kompanien des Landwehrbataillons Schneidemühl und warfen sich auf 60 und 100 Meter vor dem Werk nieder. Ein Schützenzug und einige Pioniere erreichten den Graben und sprangen ohne Zögern hinab. Die anderen beiden Kompanien hatten, das Fort links umgehend, die Rückseite desselben erreicht, und auch hier sprangen Mannschaften in den Kehlgraben. Aber jetzt hatten die aus ihren Laufgräben vertriebenen Franzosen sich gesammelt, und das Bataillon aus Le Fourneau war herangerückt. Alle Forts der Festung richteten ihre Geschütze gegen das freie und schutzlose Feld vor der Parallele, und ein Vorgehen von Verstärkungen über dasselbe erfolgte nicht. Weit überlegene Kräfte umzingelten die VII. Kompanie des Landwehrbataillons und nahmen sie nach tapferer Gegenwehr größtenteils gefangen. Aus den Gräben konnten die meisten Mannschaften noch entkommen. Auch das Vorgehen der rechten Kolonne gegen die Hautes Perches scheiterte. Dieselbe hatte das freie Feld 1000 Meter weit zu durchschreiten. Die Umfassung des Forts wurde versucht, aber es gelang nicht, durch die Verhaue und sonstigen Hindernisse im vernichtenden Feuer des Gegners vorzudringen. Der mißlungene Sturmversuch hatte zehn Offiziere und 427 Mann gekostet, und es mußte der langsam fortschreitende Ingenieurangriff wieder aufgenommen werden.“